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Die neue Charme-Klasse

Die neue Charme-Klasse

WITTLICH. Sie haben ein öffentliches Techtelmechtel und finden das gut: Ein Dutzend in der Kulturarbeit aktive Wittlicher reichen sich zum zweiten Mal nach 2004 die Hand. Ihre ungewöhnliche "Beziehungskiste" auf Zeit soll neugierig machen auf ein "Cross-Over der Künste". Genau das und zwar querbeet mit Qualität bieten die Wittlicher Kulturtage vom 12. bis 28. Mai.

Die Liaison von Kulturamt, Musikkreis, Jazzclub, Orgelfreunde St. Markus, Stadtbücherei, Galerie Bose, Emil-Frank-Institut, Georg-Meistermann-Museum sowie Förderkreis, Volkshochschule, Kintim plus Stadtmarketingverein ist spannend, besonders für die Beobachter ihrer Spielarten. Die dokumentiert ein Flyer in 30 000-er Auflage, der ein facettenreiches Programm vom Jazz- übers Orgelkonzert, der Kinder-Führung bis zum Klavier- und Schlagzeug-Workshop bündelt.Wo das Kind den Connaisseur trifft

Die Kooperation, die anschließende Präsentation als eine Plattform ist der Schlüssel: Schon 2004, damals noch als ein Versuch, konnte man in Wittlich eine neue Charme-Klasse der Kulturarbeit vor Ort entdecken: Qualität und Unterhaltung, Klassik plus Zeitgeist, Kind und Connaisseur bilden nun wieder Paare, dazu die Grenzüberschreitung der Sparten: Das ergibt in Wittlich nun wieder einen besonderen Mix, der wie ein spritziger Cocktail stimulierend wirkt, bunt ist und Spaß macht. Durch den Zusammenschluss der bewährten zwölf Institutionen auch für die zweiten Wittlicher Kulturtage erhält die lokale Kultur eine neue Struktur, die Synergieeffekte nutzt und grenzüberschreitend, "Cross-Over" eben in seiner ganzen Doppeldeutigkeit, wirken kann. Die zweite Auflage des Festivals nach Wittlicher Art soll deshalb vom 12. bis 28. Mai die ganze Region locken. Und das freundliche "Hereinspaziert nach Wittlich" gilt dabei ebenso einem verehrten Publikum, wie dem neugierigen Kind oder dem HipHoper. Den Vorhang öffnet Milan Sladek, Weltstar auf Pantomimenbühnen. Dazu wird öffentlich getrommelt, gedichtet, trifft das Streichquartett auf den Breakdancer, kommt die Orgel ins Museum, wo wiederum gezeichnet, fachmännisch parliert, und zeitgenössischer chinesischer Kunst Raum gegeben wird. Alles in Wittlich, alles im Mai

Dazu heißt es Film ab, Tanzen zu Salsa-Rhythmen und eine Vernissage zu Günther Förg erleben, der sich eine Lesung europäischer Autoren anschließt. Und: Wie wäre es mit einem Ausflug zur Jiddischen Sprache und Musik oder einem Stadtrundgang für Kinder? Das alles in Wittlich? Alles im Mai? Ja! Kooperation macht's möglich. Die zwölf Veranstalter tragen dabei das finanzielle Risiko für die Einzelveranstaltungen selbst. Dabei wird ein Gesamtvolumen von rund 65 000 Euro bewegt. Unterstützung kommt als Zuschuss vom Land (5000 Euro), der Stiftung Stadt Wittlich (4000 Euro) und der Stadt selbst, die 5000 Euro zusteuert. Mit diesen Zuschüssen werden die Werbung und nötige Infrastruktur von den 30 000 Flyern bis zur den Plakat-Aktionen finanziert. Per Mail wurden 220 Luxemburger Kulturadressen, 153 Musikvereine und Chöre, 41 Touristinformationen, elf Büchereien informiert. Jetzt hoffen die Organisatoren auf eins: Publikum und Applaus. Schirmherrin ist Octavie Modert, Staatssekretärin für Kultur, Hochschule und Forschung im Großherzogtum Luxemburg. Sie gibt den Kulturtagen und seinen Besuchern mit auf den Weg: "Der wichtigste Gewinn könnte, neben der Freude und dem Kulturgenuss, genau das sein, was man Weitblick nennt oder die Lust an der Grenzüberschreitung. Kunst zeichnet sich schließlich gerade dadurch aus, dass sie offen macht für Neues, für das, was uns noch nicht geläufig ist, für das, was anders ist."