Die Ödnis des Stadtraums

Die Ödnis des Stadtraums

Die Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Arbeiten von Mona Breede.

Trier Die Unwirtlichkeit unserer Städte ist spätestens seit Alexander Mitscherlichs gleichnamigem Nachkriegswerk ein Dauerthema, wenn es um moderne urbane Architektur und Stadtkultur geht.
Schon vor dem Psychoanalytiker hatte der Berliner Verleger und Schriftsteller Jobst Siedler die "gemordete Stadt" beklagt. Mitscherlich hatte mit seiner Kritik allerdings nicht nur die kalten Citys mit ihren Hochhäusern und Einkaufsmeilen gemeint und die ebenso öden Trabantenstädte, sondern auch die schlecht geplanten Neubaugebiete mit ihren Eigenheimen.
Auch Mona Breede beschäftigt sich mit dem Thema der unwirtlichen Stadt am Beispiel moderner Metropolen wie Chicago, London, Paris oder Berlin. Derzeit zeigt die Galerie Palais Walderdorff in Trier die fotokünstlerischen Arbeiten der 1968 geborenen Künstlerin. Breede hat in Karlsruhe bei Thomas Struth studiert, dessen Einfluss unverkennbar ist. In den besten der in Trier gezeigten Arbeiten konzentriert sich die Künstlerin auf die Innenstädte mit ihren Hochhäusern und Monumentalbauten, der Triumphalarchitektur einer unerbittlichen globalen Wirtschafts- und Handelswelt. "Ich erlebe gerade die amerikanischen Städte als kalt", sagt die Künstlerin.
Bedrohlich umstehen in ihren Bildern die düsteren Hochhausfronten mit ihrer strengen Grafik die sich davor bewegenden kleinen Menschen. Breedes Arbeiten von der modernen Stadt sind keine üblichen Stadtfotos. Sie sind durch Montage entstandene Inszenierungen, die zur Werkgruppe der "Choreographien" gehören und bei denen die Bebauung des Raums die Bühne für das Leben davor bildet. Dabei nutzt die Künstlerin neben der grafischen Struktur Licht und Schattenwurf.
Manche dieser Bilder haben in ihrer Kälte und Ferne etwas von den Bildern eines Edward Hopper.
Allerdings behalten Breedes Bilder im Unterschied zur stillen Einsamkeit des Amerikaners etwas durchaus Lebendiges. Ihr städtisches Leben bleibt im Fluss. Wohin die städtischen Ströme ihrer "city flows"(so der Titel) gehen, bleibt allerdings unklar. Es sind Bilder einer multikulturellen anonymen Geschäftigkeit, innerhalb einer statischen, nicht am menschlichen Maß orientierten innerstädtischen Architektur. Breedes Arbeiten können als Bilder des Fremdseins verstanden werden, in denen der Mensch einer anonymen Macht ausgeliefert ist, die sich in ihrer Monumentalarchitektur darstellt.
Nicht alle Fotoarbeiten überzeugen gleichermaßen in ihrer Komposition. Am eindrücklichsten in ihrer Bildsprache erscheinen die Großformate im Erdgeschoss.
Die Ausstellung ist bis 21. Oktober zu sehen, geöffnet ist sie dienstags bis freitags 15 bis 19 Uhr, samstags 11 bis 14 Uhr. Infos unter Telefon 0651/46824491 und unter <%LINK auto="true" href="http://www.gb-kunst.de" text="www.gb-kunst.de" class="more"%>