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Die Puppenkiste als Fundgrube

Die Puppenkiste als Fundgrube

TRIER. Ein temporeiches, spaßiges, liebevoll ausgestattetes Kinder-Musical bietet das Trierer Theater mit "Kleiner König Kalle Wirsch". Das Nachwuchs-Publikum jubelte bei der Premiere, und auch die erwachsenen Begleiter hatten ihr Vergnügen.

Wie lange ist das her mit diesem kleinen König der Erdmännchen? 25 Jahre, 30, 35? Die Generation, die einst in den Siebzigern bei Kalle Wirsch, dem Urmel oder der Blechbüchsenarmee am Sonntagnachmittag vor der Glotze saß, hat es inzwischen zum Intendanten, Komponisten oder Regisseur gebracht. Also gräbt sie die Highlights ihrer Jugend aus und lässt sie zum generationsübergreifenden Gaudi über die Bühne toben. Auch in Trier wird die Augsburger Puppenkiste geöffnet, zum zweiten Mal in Folge. Doch anders als beim betulichen "Jim Knopf" im Vorjahr geht es diesmal ordentlich ab. Christian Gundlach hat das Buch von Tilde Michels zu einem richtigen kleinen Musical verarbeitet, mit Tanz-Szenen, Liedern und reichlich Action. Die Sprache ist frisch, aber nicht anbiedernd, die "Moral" vorhanden, aber nicht aufdringlich. Die Abenteuer des kleinen, bisweilen etwas biestigen Kalle Wirsch, der mit Hilfe der Menschenkinder Jenny und Max seinen Widersacher Zoppo Trump und den Drachen Murrumesch besiegt, winken nicht mit Zaunpfählen, aber sie zeigen schon, dass man mit Fairness und Freundschaft weiterkommt - und dass kluge Mädchen manchmal hilfreicher sind als laute Jungs. Aber darum geht's eigentlich nicht. Die Faszination macht aus, dass richtig gut und engagiert gespielt wird, allen voran der köstliche Klaus Michael Nix in der Titelrolle, flankiert von den einsatzfreudigen Vanessa Daun, Tim Olrik Stöneberg, Michael Ophelders, Verena Rhyn und Dieter Oberholz, die meist mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllen. Das Theater traut sich zum Glück, seinen Zauber so richtig auszuspielen. Wendelin Heisigs Bühnenbild lässt Vorhänge und Wände auf- und abgleiten, nutzt die Möglichkeiten der Hubpodien und geizt nicht mit gruseligen Fährmännern, wuseligen Echokugeln und geifernden Drachen - die Faszination der Kinder lässt sich aus dem radikalen Wechsel von Stille und Lärm förmlich heraushören. So muss Theater sein, das mit Kino und Computer konkurriert: fesselnd, packend, bezaubernd. Ein Fest, so wie die Kostüme (Carola Vollath) und die Maske (Rüdiger Erbel), bei denen man das Gefühl hat, die Theaterleute hätten sich für die Kinder mal so richtig austoben dürfen. Markus Baumhaus' Regie verbindet einen schönen Erzählstil mit gutem Timing und einer hochprofessionellen Bewegungsregie, ergänzt durch die gelungene Choreographie von Amy Share-Kissiov. Die Kinder forderten am Ende lautstark Zugabe. Und mancher Erwachsene jubelte unauffällig mit.