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Die schöne Müllerin

Die schöne Müllerin

Ina Müllers rauchig-soulige Stimme wärmt wie Kuscheltuch und Rheumadecke. In ihren Liedern über die Generation 40 plus stellt die Sängerin, Kabarettistin und Fernsehmoderatorin die Stereotypen über Frau und Mann auf den Kopf. Am Sonntag, 9. März, ist sie in Trier zu Gast.

Trier. In der Trierer Arena stellt die 48-jährige Sängerin ihr neues Album vor. Der schlichte Titel: "48". TV-Mitarbeiter Olaf Neumann hat mit Ina Müller über Eitelkeit, Altersmilde und den Tod gesprochen.In der Musik steckt mehr Pop drin als bisher. Eine bewusste Entscheidung?Müller: Ja, ich wollte mit diesem Album noch musikalischer werden. Ein bisschen mehr Röhre, ein bisschen lauter, ein bisschen anders. Ich wollte auch mal Lieder auf dem Album haben, die etwas versöhnlicher sind. Zum Beispiel bei "Wenn du nicht da bist", da haue ich dann im Refrain nicht drauf, sondern gestehe meine Liebe. Geht auch.Wirklich aus der Reihe fällt das traurige "Pläne". Darin besingen Sie den Tod eines Freundes.Müller: Es ist gar nicht so leicht, solch einen Song auf einem Popalbum zu verpacken. Mir war es wichtig, dass es nicht die wahnsinnig traurige Nummer 13 ist. Deswegen ist sie mittig eingebettet, um das Thema nicht zu verkitschen. So hat es eine gute, hörbare Traurigkeit. Man denkt immer, der Tod kommt, wenn man alt ist. Aber es sterben jetzt schon Freunde um mich herum.Was interessiert Sie am Thema Tod?Müller: Vor allem habe ich keine Angst, darüber zu reden. Ich frage auch andere, wie sie sich den Tod vorstellen und wie sich das Sterben wohl anfühlt. Mich interessiert, wie andere Menschen darüber denken. Manchmal stehe ich im Badezimmer und denke: Wenn du jetzt tot umfallen würdest, dann würde alles so weiterlaufen - sogar die Dusche. Und ich wäre später irgendwo unter der Erde und mir wäre wahrscheinlich kalt.Wie soll man sich an Sie erinnern?Müller: Ich hoffe, dass ich bei Wikipedia zu finden bin. Dass man die nächsten 100 Jahre etwas zu meinem Namen findet, wenn man ihn googelt. Das Einzige, was am Ende ja von einem bleibt, sind die Erinnerungen. Aber auch die verblassen mit der Zeit. Deshalb Wikipedia. Ansonsten halte ich mich nicht für so wichtig. Ich bin Ehrenbürgerin von meinem Heimatdorf Köhlen. Eine Bank mit so einem Messingschildchen wäre bestimmt noch drin. Und ein Bild im Schellfischposten (Anm. d. Red.: Dort wird die Fernsehsendung "Inas Nacht" aufgezeichnet).Sie haben Ihren Schwestern ein musikalisches Denkmal gesetzt. Sind Sie die Jüngste?Müller: Ich bin die Vierte von fünf. Deswegen bin ich wahrscheinlich auch so laut. In dem Lied heißt es "Zank und Zoff im Dreibettzimmer". Wir haben wirklich alle fünf in einem Zimmer geschlafen: Drei Betten für fünf Mädchen! Immer zwei in einem Bett, nur eine durfte alleine schlafen. Es gab ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip, um es alleine ins Bett zu schaffen.Sich unter fünf Schwestern durchzusetzen - eine Schule fürs Leben?Müller: Wir haben nie viel diskutiert, wir haben uns geprügelt und miteinander gerangelt. Die andere würgen, sie in den Schwitzkasten nehmen, sich mit Knien auf ihre Oberarme setzen und so einen Spuckefaden auf sie runter lassen! Die Höchststrafe war, sagen zu müssen: "Dörte ist lieb!" In dem Moment hattest du alles verloren. Auch dein Solobett.Heute sind Sie 48 und singen selbstironisch übers Älterwerden. Müller: Es gab mal eine Phase, da war ich eitler als heute. Heute ist es mir egaler. Kürzlich ging ich in meinen Telefonladen um die Ecke und der Typ sagt: "Frau Müller, oh Gott, Sie sehen ja wahnsinnig schlecht aus. Sind Sie krank? Wollen Sie sich setzen?" Was war passiert? Ich war ungeschminkt. Ansonsten ging es mir super. Ich habe dann auch nichts gekauft.Sind nicht alle Künstler eitel?Müller: Eitelkeit ist doch die übertriebene Angst, seine körperliche Attraktivität zu verlieren. Wenn mein Job das Modeln wäre, dann wäre ich sicher eitel. Aber es ist nicht mein Job, wahnsinnig schön zu sein und immer perfekt auszusehen. Wo stehen Sie jetzt als Künstlerin?Müller: Da, wo ich mich richtig wohl fühle. Wir hatten so tolle Livetouren und ich habe ein neues Lieblingsalbum in der Hand. Manchmal läuft mir ein Glücksschauer über den Rücken. oneuIna Müller & Band, Sonntag, 9. März, 20 Uhr, Arena, Trier. Karten: TV-Service-Center Trier, TV-Tickethotline 0651/7199-996, www.volksfreund.de/ticketsExtra

Ina Müller wurde am 25. Juli 1965 in Köhlen im Landkreis Cuxhaven geboren. Sie ist die vierte von fünf Töchtern. Nach einer Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin wandte sich Ina Müller Mitte der 1990er Jahre dem Kabarett zu. Seit 2007 moderiert sie ihre eigene Late-Night-Show "Inas Nacht", die im Hamburger Hafen aufgezeichnet wird. Heute arbeitet sie als Sängerin, Kabarettistin und Moderatorin. Die 48-Jährige lebt mit dem Musiker Johannes Oerding zusammen. red