"Die Schulmusik braucht den Leuchtturm Orchester"

"Die Schulmusik braucht den Leuchtturm Orchester"

Wie geht es weiter mit dem Theater Trier in Zeiten klammer öffentlicher Kassen? Die Diskussion läuft. Der TV hat zehn Gastautoren gebeten, ihre Ideen und Vorschläge zur Zukunft des Hauses zu notieren. Andreas Wagner schließt heute die Reihe ab - in den nächsten Tagen wird Intendant Gerhard Weber auf die Vorschläge antworten.

Wer im kulturellen Bereich Früchte ernten will, muss kontinuierlich seinen Obstgarten pflegen. Oder aber er kauft sich das Obst auf dem Markt einfach ein. Nur kann er sich dann nicht als Gärtner sehen. Der eine pflanzt, gießt, beschneidet, zieht hoch, bindet an, pflegt und hält Unkraut fern, in der Hoffnung auf dauerhaften Ertrag. Gleichzeitig leisten die Pflanzen mit Blütenpracht, Duft und guter Luft einen umfassenden Beitrag zur Lebensqualität auch abseits der Erntezeit. Wer sein Obst einfach einkaufen geht, gelangt vielleicht leichter ans Ziel. Als reiner Konsument verfügt er aber über kein eigenes Obst, lebt im Endeffekt immer von der Arbeit anderer.
Nach Auffassung des Verbands deutscher Schulmusiker (VDS) muss sich öffentlich finanzierte Kulturförderung immer aus der Perspektive des Gärtners her begreifen. Damit ergibt sich keineswegs ein Automatismus, an hergebrachten Strukturen stur festzuhalten. Der gute Gärtner sieht, welcher Baum noch kräftig im Saft steht, wo gedüngt werden müsste, oder wo die Schere angesetzt werden muss.
Dem Theater in der heutigen Gesellschaft einen angemessenen Stellenwert zuzumessen, fällt sicherlich schwerer als in früheren Zeiten, als es quasi der Nabel des Geisteslebens war. Heute bilden Theater und Konzert eine Art Gegenpol zu weitgehend kommerzialisierten Kulturangeboten durch Fernsehen, Radio und Internet. Der kulturelle Wert des Ensembletheaters liegt darin, dass eine große Tradition wachgehalten, gepflegt und weitergegeben wird. Dies allein kann noch nicht ausreichen, den Fortbestand des Ensembletheaters quasi zu verewigen. Es müssen darüber hinaus auch kräftige Impulse ausgehen auf das aktuelle Kulturleben der Stadt.
Mit Konzertreihen wie "Weltmusik" begibt sich das Philharmonische Orchester bereits auf einen innovativen Weg zwischen Publikumsorientierung, musikalischem Wagnis und kulturellem Anspruch. Neben der freien Kulturszene und der Kulturwirtschaft braucht die Region Trier das Orchester als dauerhaften Leuchtturm, an dem sich die Laienmusik auch orientieren kann.
Ein wesentlicher Kulturimpuls in der Region Trier geht von den Projekten aus, die an der Schnittstelle von Theater und Schule angesiedelt sind, wie Kinder- und Jugendkonzerte, Orchesterpatenschaften, Workshops des Jugendclubs, die "Zauberflöte" der Porta-Nigra-Schule, gemeinsame Projekte mit Schulorchestern, Besuche von Musikern im Unterricht und kostenlose Probenbesuche von Schulklassen im Theater.
Vergleichbare Projekte lassen sich weder mit der Kulturwirtschaft realisieren, noch mit auswärtigen Ensembles. Der musikalische Bildungsauftrag der Schule lässt sich insbesondere im Bereich Musiktheater und Konzert nur sehr unzureichend erfüllen, wenn kein Ensemble als Träger zur Verfügung steht.
Ein weiterer wichtiger Kulturimpuls des Trierer Ensembletheaters geht aus von der privaten künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit vieler seiner Mitglieder. Sie sind Instrumentallehrer, Dirigenten oder Chorleiter, spielen in Jazzbands, unterstützen die ortsansässigen Chöre bei großen Projekten. Das außergewöhnlich hohe Niveau der Trie rer Schulensembles wäre ohne ihre unermüdliche Aufbauarbeit nicht denkbar. An dieser Nahtstelle arbeiten Schulmusik, Laienmusik und eben die professionellen Ensemblemusiker seit Jahren mustergültig zusammen. Hier wachsen die Früchte unserer Musikkultur. Wenn wir eines der drei Standbeine angreifen, schädigen wir die anderen automatisch mit.Extra

Andreas Wagner ist stellvertretender Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Schulmusiker. Der promovierte Musikwissenschaftler arbeitet als Lehrer am Trierer Humboldt-Gymnasium, leitet das Schul-Orchester und zeichnet für viele Schüler- und Jugendkonzerte verantwortlich. Ein umfassendes Positionspapier des Verbandes kann unter www.vds-rlp.de eingesehen werden. DiL