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Aufgeschlagen – Neue Bücher
„Die Suche“ führt ins nordenglische Hochmoor

Die Suche von Charlotte Link
Die Suche von Charlotte Link FOTO: TV / Verlag
Charlotte Link ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Autorinnen. Regelmäßig stürmen ihre Bücher die Bestsellerlisten. Erst kürzlich war die Autorin zu Gast beim 23. Eifel-Literatur-Festival in Bitburg, wo sie aus ihrem neuen Buch „Die Suche“ gelesen hat.
Stefanie Glandien

Darin gibt es ein Wiedersehen mit Detective Chief Inspector Caleb Hale und der Scotland-Yard-Agentin Kate Linville, die bereits in ihrem Buch „Die Betrogene“ eine Rolle spielten. Kate, die in London lebt und arbeitet, kehrt ins nordenglische Scarborough zurück, um das Haus ihrer Eltern zu verkaufen, das die Mieter in einem völlig verwüsteten Zustand zurückgelassen haben. Zufälligerweise bucht sie bei einer Familie ein Pensionszimmer, deren Tochter Amelie am Tag darauf auf einem belebten Supermarktparkplatz plötzlich verschwindet.

Wenige Tage zuvor war im Hochmoor die Leiche eines 14-jährigen Mädchens gefunden worden. Die Eltern vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen geben könnte.  In ihrer Verzweiflung bitten sie Kate, bei der Suche nach ihrer Tochter mitzuhelfen. Doch Kate möchte sich auf keinen Fall in die Arbeit ihres geschätzten Kollegen Caleb Hale einmischen, der mit dem Fall nicht richtig vorankommt und gefrustet wieder der Alkoholsucht verfällt.

„Die Suche“ ist ein raffiniert geschriebener Krimi, der seine Leser durchaus in Atem hält. Parallel zu dem Fall nehmen die persönlichen Lebensumstände der Ermittler viel Raum ein. So clever und intelligent Kate Linville ist, bei den Männern hat die unauffällige, zurückhaltende Ermittlerin wenige Chancen. Das nagt an ihrem Selbstbewusstsein. Und Caleb Hale, eigentlich ein fähiger Polizist, kommt schlecht damit klar, dass er bei den Ermittlungen im Dunklen tappt. Und dann sind da noch die Eltern der vermissten Amelie, die gerade ziemliche Eheprobleme haben und dazu noch einen schwierigen Teenager bändigen müssen.

Die Höhen und Tiefen einer Ehe, Probleme mit den Kindern, Überforderung im Job, ein angeknackstes Selbstbewusstsein – alles Umstände, mit denen sich wohl jeder in irgendeiner Form identifizieren kann. Manches ist vorhersehbar in dieser Geschichte. Die bösen Buben sind schnell identifiziert, die Rollen klar verteilt.  Doch es bleibt spannend bis zum Schluss, der erfreulich überraschend ist. Und, ein wichtiger Punkt, „Die Suche“ ist ein eigenständiger Roman und kann gut verstanden werden, ohne „Die Betrogene“ (2015) zu kennen, in dem das Duo Kate Linville und Caleb Hale zum ersten Mal aufeinandertrifft. Doch wem der Roman gefällt, darf sich freuen: Sicher ist, dass Charlotte Link ihr Ermittlerteam erneut ins Rennen schickt. Denn zwischen den beiden ist noch nicht alles gesagt.

Stefanie Glandien

Charlotte Link, Die Suche, Blanvalet Verlag, 656 Seiten, 24 Euro.