Die Tufa als Tierpark

Die Tufa als Tierpark

Luxemburg, Polen, Trier, Berlin - das ist die Route der Tournee des Luxemburger Choreografen Jean-Guillaume Weis. In der Trierer Tuchfabrik (Tufa) hat Weis mit seinen fünf Tänzern und mit seinem zeitgenössischen Tanzstück "LogoZoo" die Zuschauer begeistert. Thema des Stücks: Begegnungen, Trennungen, Abschied nehmen.

Trier. Um Punkt 20 Uhr werden die Zuschauer, die bis dahin vor dem Saal gewartet haben, erst auf ihre Plätze gelassen. Das Licht ist aus. Ein Knall. Ein Funken. Die Zuschauer erschrecken. Die Scheinwerfer auf der Bühne gehen an. Klassische Musik setzt ein, und das Tanzstück "LogoZoo" des Luxemburger Choreografen Jean-Guillaume Weis beginnt.
Abschied aus Eifersucht


Sechs Tänzer in grauen Kleidern stehen auf der Bühne. Eine Reisetasche, ein Koffer, eine Jacke. Diese Requisiten zeigen recht gut die Thematik des Stücks. Es geht um das Zusammentreffen und Abschiednehmen von Menschen. "Ich bin selbst viel gereist und sehne mich nach dem Zusammensein mit anderen Menschen", sagt Weis. Dieses Zusammensein sei aber nicht immer möglich. Es gebe viele Gründe, warum Menschen voneinander Abschied nehmen müssen. "Mein Beruf trägt bei mir bestimmt viel dazu bei", erklärt der ehemalige Pina-Bausch-Tänzer. Das Stück ist eine Mischung aus Tanz und Schauspiel. Sprache gehört dazu. Dominant ist vor allem das Französische, aber auch Floskeln auf Deutsch und Englisch tauchen auf. "Die Atmosphäre hier ist einfach toll. Solch eine Größe hat man nicht oft in Trier", sagt Zuschauerin Simone Busch, 38, aus Trier. In der Tufa ist es heiß. Dies sieht man vor allem an den schwitzenden Körpern der Tänzer. Der Raum wird durchflutet vom Geruch der Räucherstäbchen. Die Musik ist langsam. Zwei Tänzer stehen zusammen, eng umschlungen bewegen sich ihre Körper. Schnellere Musik setzt ein. Das Paar trennt sich. Sie schaut wütend. Zornesfalten zieren ihre Stirn. Ein Dritter mischt sich ein. Sie packt die Tasche und stampft von der Bühne: Trennung aus Eifersucht.
"Die Musik steht für die Endlosigkeit und das In-der-Schwebe-lassen", verrät Choreograf Weis. Nach der Premiere im März in Luxemburg folgte ein Auftritt in Polen. Mit diesem Tufa-Auftritt beginnt der Auftakt zur Tournee. Im Oktober wird Weis mit seinen fünf Tänzern nochmal in Luxemburg und Berlin zu sehen sein. Die Aufführung war zwar nicht ausverkauft, aber "für zeitgenössischen Tanz sehr gut besucht", sagt Gudrun Paulsen, 44, aus Trier, die Mitglied im Verein Tufa Tanz ist. Von der ersten Probe bis zur Premiere im März probte Weis zehn Wochen mit seinem Team. "Morgens haben wir um zehn Uhr mit einem Warm-up angefangen. Wenn es gut lief, waren wir um 18 Uhr fertig", erklärt Tänzerin Sylvia Camarda. Schwierig war es, neue Tänzer nach der Premiere, die mit einem Quintett produziert wurde, ein-zuarbeiten. Die Trierer Zuschauer zeigen mit tosendem Applaus ihre Anerkennung an die sechs Tänzer. "Der Zuschauer soll von oben herab auf das menschliche Zu-sammenleben blicken, ähnlich eines Zoobesuchs", sagt Weis. Mit vielen verschiedenen Szenen wird der "menschliche Zoo" deutlich. Mal ist die Musik lang-sam, mal schnell, mal klassisch, mal modern. "Es ist einfach eine stimmige Komposition, die an eine klassische Sonatenform erinnert", sagt Zuschauer Nikolaus Lutgen, 49, aus Trier. Simone Bausch, 38, aus Trier ist selbst tanzbegeistert und hat durch die Aufführung wieder Lust auf eigenen Aktivitäten bekommen. Wie viele andere hofft Barbara Peitz, 52, aus Bullay, auf eine Wiederkehr des Choreografen, der bei Pina Bausch gelernt hat: "Ich bin total begeistert."
Weitere Aufführungen. 20. und 21. Oktober am Theatre National in Luxemburg, 26., 29. 30. Oktober im Dock 11 in Berlin.

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