Die Welt als Tollhaus

Die Welt als Tollhaus

Das Theater Trier hat am Sonntag Leben und Werk des revolutionären Dichters Heinrich von Kleist beleuchtet. Kleists Todestag jährt sich am 21. November zum 200. Mal. Stargast der gut besuchten Matinee war der Kleist-Kenner, Autor und Schauspieler Mathieu Carrière.

Trier. Als "Extremisten und tollwütigen Hund" hat Mathieu Carrière den Dramatiker in seinem Buch über Heinrich von Kleist (1777-1811) einmal bezeichnet. Dieses Werk hatte der Schauspieler in jungen Jahren verfasst, es gilt heute noch als Maßstab der Kleist-Literatur. Naheliegend also, Carrière, der selbst als Enfant terrible der Kunstszene gilt, für eine Matinee anlässlich des 200. Todestages des großen deutschen Dichters zu verpflichten. Mit Vorträgen, halbszenischen Lesungen und einer Diskussion wollte man sich Kleist nähern.
Intendant Gerhard Weber und Dramaturg Peter Oppermann ist es dabei gelungen, einen interessanten und vergnüglichen Vormittag nicht nur für Kleist-Liebhaber und -Kenner zu gestalten. In Zusammenarbeit mit dem Théâtre National und der Universität Luxemburg zeichnete der Kleistforscher Professor Dr. Dieter Heimböckel in seinem lebendigen Vortrag das unstete Leben Kleists nach: der Dramatiker als fliegender Mensch war viel, aber nicht weit gereist, war ständig auf Achse, ohne je irgendwo anzukommen. Viele erfolglose Projekte sowie mangelnde Anerkennung der etablierten Kunstszene (z.B. Goethe) frustrierten ihn. Konsequent und logisch sei daher sein Freitod gewesen.
Eindringlich und fesselnd lasen Mitglieder des Schauspielensembles Schlüsselszenen aus Kleists bekanntesten Werken "Käthchen von Heilbronn", "Der zerbrochene Krug" und "Der Prinz von Homburg". Mit der Virtuosität von Kleists Sprache spielte auch Mathieu Carrières Performance. Intensiv und leidenschaftlich zeigte er die verstörende Stärke, die aus Kleists Behinderung, dem starken Stottern, zu entspringen schien. Kleist hat wohl auch heute noch, so zeigt sich in der Diskussionsrunde, ein ungebrochenes Irritationspotenzial.

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