Die Welt der kleinen Wunder

Die Welt der kleinen Wunder

TRIER. "Natur und Technik begreifen" – das Motto für die Ausstellung "Phänomenon" klingt didaktisch-blass. Die Schau ist viel mehr: Eine Welt sinnlicher Rätsel und sinnlicher Entdeckungen. Und keineswegs nur für Kinder und Jugendliche interessant.

Wer aus dem düsteren Treppenhaus tritt, das auf das Niveau der Viehmarkt-Thermen führt, den weist ein Pfeil am Boden zu einem unscheinbaren Holzdreieck. Und wer sich dann die Mühe macht und mitten hineinsteigt in dieses Exponat, der gewahrt sich in einem Spiegelsystem von allen Seiten und damit in ungewöhnlichen Perspektiven - von vorne, seitlich und je nach Position auch in einer unendlichen Reihe. So wie einen die anderen sehen. Ungewohnt.Selbsterfahrungen machen

Das ist nur eine der Wissenschafts- und Technikerfahrungen, die die Ausstellung "Phänomenon" bietet und die oft Selbsterfahrungen sein können. Zum Beispiel das Spiel mit der kleinen und der großen Plastikflasche. Die kleine - schwerer? Aber die Waage belehrt uns: beide haben dasselbe Gewicht. Oder der Flaschenzug, der Kindern beim Tauziehen mit Erwachsenen eine Chance gibt. Im Zentrum der Thermen steht ein Ballon völlig stabil auf einem Luftstrom. "Der Ball fällt so lange nach unten aus dem Luftstrom heraus, bis die von oben wirkende Kraft genau so groß ist wie die Gewichtskraft", erklärt der Katalog. So gleichen sich Kräfte aus wie beim Flugzeugflügel. Der Kultursommer Rheinland-Pfalz präsentiert mit dieser Ausstellung wissenschaftliche, technische und mathematische Experimente. "Phänomenon" hat etwas zu tun mit Begreifen. Statt Exponate still, stumm und distanziert zu betrachten, können die Besucher zupacken, hören, spüren, spielerisch experimentieren, kurz: selber aktiv werden. Die Begleittexte halten sich ans vertrauliche Du. Aber auch Erwachsene können in dieser Ausstellung noch eine Menge erfahren. Sie können aus Holzteilen ohne Hilfsmittel einen begehbaren Bogen bauen und damit nachvollziehen, wie die Kirchenbaumeister des Mittelalters arbeiteten. Sie können, wieder ohne Hilfsmittel, eine leichte Brücke bauen - Leonardo da Vinci hat sie erfunden. Drei Farbstrahler lassen sich so regeln, dass aus der Addition der Farben reines Weiß entsteht. Da ist der Schwarzlichtspiegel, in dem UV-lichtempfindliche Gegenstände aufleuchten, schon fast konventionell. Dieses Licht gibt es seit langem in jeder Diskothek. Die Schüler in der Ausstellung formieren sich - wie könnte es anders sein - um die Computer. Auch die liefern reichlich Stoff für Experiment und Selbsterfahrung. Welche Tonhöhe kann ich noch wahrnehmen? Wie klingt meine Stimme? Wie klingen Worte, wenn sie rückwärts abgespielt werden? Wie lässt sich aus Bildern ein kleiner Trickfilm zusammenstellen? Experiment folgt auf Experiment. Kein Wunder, dass manche Versuchsanordnungen dem Forscherdrang erlagen und jetzt auf die Reparatur warten. Die alten Römer hätten sich vielleicht gewundert, wenn sie gewusst hätten, dass sich in ihren Bademauern solche wissenschaftlich-technischen Experimente abspielen. Aber stopp! Die haben ja selber mit solchen Dingen experimentiert! Unpassend ist das Thermenmuseum also ganz bestimmt nicht. Phänomenon. Natur und Technik begreifen. Bis 5. Juni Viehmarktthermen Trier. Geöffnet Montag bis Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 Uhr bis 18 Uhr.