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Die Welt der Melodien von Grieg, Schumann und Rachmaninow

Trier. Die Frau an der Kasse sagte es achselzuckend: das 6. Sinfoniekonzert sei seit Tagen ausverkauft. Weiter hinten im Trierer Theater-Foyer wechselten schon Karten und Geldscheine diskret den Besitzer. Aber auch künstlerisch war das 6. Trierer Sinfoniekonzert rundum ein Erfolg.

Trier. Klavier und Orchester - in diesem Konzert klingen sie wie ein einziges, großes Instrument. Nichts wackelt und hakt. Pianist Alexander Paley, Dirigent Victor Puhl und seine Trierer Philharmoniker finden in Edvard Griegs Klavierkonzert von Beginn an zu echter Eintracht. Die Melodielinien von Klavier und Holzbläsern verbinden sich zu feinsinnigem Miteinander, und der verstärkte Streicherapparat der Philharmoniker spielt alle Kantilenen präzise und vollklingend aus.
Paley und die Philharmoniker beschworen den künstlerischen Gehalt des Werks - seinen Zug von Intimität sogar in virtuosen Klavier-Figuren und auftrumpfenden Orchester-Zwischenspielen. Alexander Paley lässt den Flügel singen, spielt das feine Filigran der Partie aus, bleibt auch in der überdimensionierten Original-Kadenz leichthändig. Nichts bei ihm und im Orchester wirkt diffus, forciert oder beiläufig. Es war Romantik, wie sie romantischer nicht sein kann - ein Sich-Vertiefen in die ganz andere Welt der Melodien, der Harmonien und Instrumentalfarben. Mag sein, dass der Pianist das Finale zu wuchtig anging, dass er nach den überzeugend musizierten ersten Sätzen im dritten zu einseitig auf Virtuosität setzte. Aber das lässt sich auch anders verstehen: Paley und die Trierer spielten das Konzert des gerade mal 26-jährigen Grieg in seiner stilistischen Breite aus - mitsamt den problematischen Resten des einseitig auf Brillanz getrimmten Virtuosenstils. Auch im dritten Satz blieb es eine ungeschminkte, eine durchweg ehrliche Interpretation.
Begonnen hatte das Konzert mit einem unentschieden musizierten Schumann. Victor Puhl betonte die lyrischen Elemente in der "Manfred"-Ouvertüre, sparte aber die Dramatik dieser Musik weitgehend aus. Zudem schlichen sich kleine Missverständnisse ein. Da fehlte einfach die Intensität, mit der Schumann den Hörer in seine Musik hineinzieht. Umso eindrucksvoller der Teil des Konzerts nach der Pause. Es war wie ein energisch ausmusiziertes Dementi: Sergej Rachmaninows 3. Sinfonie aus den 1930er Jahren schwelgt eben nicht in filmmusikalischen Klangklischees.
Victor Puhl und die Philharmoniker präsentierten einen anderen Rachmaninow - leicht, beweglich, nahe an Ballettmusik und mit einer Vielzahl von Farben, die einander ergänzen wie in einem Mosaik. Nichts war statisch und sentimental. Kantilenen blieben schlank und zügig. Die Bläser-Einwürfe, von denen Rachmaninows Instrumentation lebt, sie gerieten energisch und präsent. Trotz kleiner Unschärfen bei den Streichern gelang auch das heikle Fugato im Finale überzeugend offensiv. Und mit seiner federnd ausmusizierten Schluss-Stretta verbreitet dieser Satz eine geradezu Haydn'sche Fröhlichkeit. - Lauter Jubel im Publikum - für Paley, die Philharmoniker und Victor Puhl. mö