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Die Welt ist nicht genug

Die Welt ist nicht genug

Mehr als einmal erinnert "Interstellar", der heute in den deutschen Kinos startet, an Stanley Kubricks Opus magnum "2001: Odyssee im Weltraum". In ihrer Botschaft könnten die beiden Werke jedoch kaum weiter voneinander entfernt sein.

Trier. Wie kaum ein zweiter zeitgenössischer Regisseur macht Christopher Nolan Kino fürs Auge. Abseits ihrer philosophischen Grundierung sind seine Filme in erster Linie Seherlebnisse. Mit dem Science-Fiction-Abenteuer "Interstellar" wagt der Brite nun den nächsten Schritt - sowohl was die Bildgewalt als auch was die Philosophie betrifft.
Das legt einen Vergleich mit einem anderen philosophisch und optisch überwältigenden Science-Fiction-Film nahe, der vielen Kritikern bis heute als bester aller Zeiten gilt: Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" (siehe Extra). Ein Vergleich, den sich Nolan gefallen lassen muss, hat er Kubricks Film doch selbst als eine seiner Inspirationsquellen angegeben.
Lichtjahre entfernt


Was das Beherrschen der filmischen Mittel und die Präzision in den Details anbelangt, scheinen Nolan und Kubrick Verwandte im Geiste. Was jedoch ihr Menschenbild betrifft, könnten die beiden Regisseure und ihre Filme nicht weiter voneinander entfernt sein.
Während "2001" durch seine distanzierte Inszenierung auch den Zuschauer bis zum Schluss auf Distanz hält, versucht "Interstellar" von der ersten Minute an, sein Publikum emotional einzubeziehen. Wo Kubrick das Schicksal Einzelner zeigt, etabliert Nolan die Familie als Dreh- und Angelpunkt der Handlung (siehe Kinokolumne). Der Pilot Cooper (Matthew McConaughey) aus "Interstellar" ist ein Homo amans, ein liebender Mensch, wohingegen in der Exposition von "2001" erst der Homo necans, der sich mit Gewalt über seine Artgenossen erhebt, den Menschen zum Menschen macht. Und so verwundert es kaum, dass in Kubricks Kosmos die Protagonisten beinahe künstlicher wirken als die Maschinen, die sie umgeben. In Nolans Universum erscheinen hingegen selbst die Roboter menschlich.
Experiment mit Zeit und Raum


Dieser Unterschied zeigt sich auch in der Art der filmischen Vermittlung. Dank einer enormen Schärfentiefe inszeniert Kubrick zuvorderst im Raum. Nolan experimentiert vor allem mit der Zeit und ihrer Auswirkung auf menschliche Beziehungen. Als wiederkehrendes Motiv benutzt er das Händereichen. In "2001" nimmt hingegen das Auge den zentralen Raum ein. Während Kubrick etwas sichtbar macht, will Nolan - abseits aller Bildgewalt - sein Publikum diesmal vornehmlich berühren.Extra

"2001: Odyssee im Weltraum": Nach der Entdeckung eines mysteriösen Monolithen auf dem Mond begeben sich die Astronauten Bowman (Keir Dullea) und Poole (Gary Lockwood) auf die Reise zum Jupiter, wo sie dessen Ursprung vermuten. Nur der sprechende Computer HAL kennt die genaue Mission. Als sich HAL gegen die Besatzung wendet, beginnt ein tödlicher Kampf zwischen Mensch und Maschine. Am Ende lösen sich die Grenzen von Raum und Zeit auf. "Interstellar": Die letzten Tage der Menschheit sind gezählt. Die Rettung könnte ein Wurmloch sein, das unvorhergesehen nahe des Saturn auftaucht. Der Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) soll mit den Wissenschaftlern Amelia (Anne Hathaway), Doyle (Wes Bentley) und Romilly (David Gyasi) jenseits des Lochs Planeten für eine mögliche Besiedlung erforschen. Ein Wettlauf beginnt, in dessen Verlauf das Verständnis der Zeit infrage gestellt wird. fas