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Die Wiedergeburt des Autokinos

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Die Wiedergeburt des Autokinos

Schaltknüppel und Pornos gaben ihm den letzten Rest – das Autokino war so gut wie tot. Bis ein Virus ihm neues Leben einhauchte. Mehr als 245 neue Kino-Frequenzen wurden in Deutschland seit März beantragt.

Autokino – da denkt man an Chevys, Buicks und Cadillacs, an Pepsi, Popcorn und pubertierende Jugendliche, die hinter der Windschutzscheibe zum ersten Mal knutschen, während auf der riesigen Leinwand ein schwarz-weißer Horrorstreifen läuft. Man denkt an Szenen aus „Grease“, an die USA in den 50er und 60er Jahren. An eine Zeit, in der normale Kinos schließen mussten, weil ihnen die Tausenden „Drive-in-theaters“ die Besucher wegschnappten. An einen Hype, ein Lebensgefühl, eine Sehnsucht, die es in Deutschland in diesem Ausmaß niemals gab.

Vielleicht weil der Autokult hier – trotz allem – nie so ausgeprägt war wie auf der anderen Seite des Atlantiks, vielleicht weil deutsche Schaltknüppel schon immer das hemmungslose Schmusen im Autocockpit behinderten oder es sich den Menschen einfach nicht erschloss, warum sie einen gemütlichen Kinosessel mit freiem Blick auf die Leinwand gegen den Vordersitz ihres Polos eintauschen sollten, dessen Scheiben erstmal geputzt werden müssten. Als ein Teil der wenigen Betreiber sich dann auch noch auf Pornos spezialisierte, war der Niedergang des deutschen Autokinos besiegelt. Etwa eine Handvoll dauerhafter Kinos blieb übrig, dazu ein Dutzend saisonale.

Doch dann kam Corona. Und hauchte der nostalgischen Idee neues Leben ein. Und zwar zackig. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur, die  dafür zuständig ist, UKW-Frequenzen für den Betrieb von Autokinos zu vergeben. Vor der Krise geschah dies nur sehr selten. Seit dem 1. März 2020 hingegen in 245 Fällen. 17 dieser Frequenzen gingen nach Rheinland-Pfalz. Und dabei wird es nicht bleiben. „Aktuell liegen uns zahlreiche weitere Anträge für Autokinos vor“, teilt Netzagentur-Pressesprecher Fiete Wulff auf TV-Anfrage mit.

Und das sind nur solche Kinos, bei denen der Filmton über die Autoradios empfangen werden soll. Wo Lautsprecher auf dem Gelände installiert sind, braucht man ebenso wenig eine Frequenz wie dort, wo der Ton über das Smartphone der Zuschauer läuft.

Zwar werden statt Chevys, Buicks und Cadillacs in all den neuen deutschen Autokinos wohl eher VWs, Audis und Hyundais vor der Leinwand stehen. Pepsi- oder Popcorn-Verkauf sind virologisch tabu – und allzu jugendlich dürfen Fahrer in Deutschland auch nicht sein. Aber immerhin: Das Knutschen kann ihnen keiner verbieten. Wäre da nur nicht dieser lästige Schaltknüppel ...