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Die zweiten Family Classics haben sich mit einem Riesen beschäftigt. Musik, Erzählung und Zeichnungen griffen dabei sehr gut ineinander.

Theater : Märchen für Groß und Klein

Die zweiten Family Classics haben sich musikalisch mit einem Riesen beschäftigt.

Vogelgezwitscher, das Rufen eines Kuckucks, ein klopfender Specht. Mit Schlagwerk und Flöten zaubern die Musiker des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier für die Besucher im vollbesetzten Theater den Frühling auf die Bühne. Und das Publikum ist bei den Vorstellungen der Family Classics ein besonderes. Es sind Eltern mit Kindern, von denen die meisten zwischen vier und acht Jahre alt sind. Sie, in einem Konzert mit Werken von Copland, Elgar und Tschaikowsky zu begeistern, ist keine leichte Aufgabe. Doch das ist dem Orchester, gemeinsam mit Schauspieler Norman Stehr und Zeichnerin Elisabeth Landgraf hervorragend gelungen.

Nach einer kurzen Instrumentenvorstellung durch den musikalischen Leiter Wouter Padtberg, trat Norman Stehr, sonst Ensemblemitglied im Musiktheater, in einem brauen Tweedanzug und grauen Haaren auf die Bühne. Er nimmt ein Buch, das auf einem großen Lehnstuhl bereitliegt, pustet imaginären Staub darauf weg und schaut prüfend durch seine Brille, bevor er sich setzt und beginnt, die Geschichte vom selbstsüchtigen Riesen vorzulesen.

Stehr überzeugt von der ersten Sekunde als sympathischer Märchenonkel, bei dem die Kinder nur zu gerne der Geschichte des Riesen lauschen. Der hat sieben Jahre lang einen Freund besucht, während in seinem wunderschönen Garten Kinder spielten. Um das zu veranschaulichen, zeichnet Elisabeth Landgraf ein Bild von fröhlich in einem Garten turnenden und Ball spielenden Kindern. Mit ihren, an die Wand projizierten und live fertig gestellten Zeichnungen bebildert Landgraf auf kindgerechte Weise die Stationen der Geschichte.

Das entstehende Werk bindet die Aufmerksamkeit der Kinder, während die Musiker die Geschichte untermalen. Da wird schnell und dynamisch gespielt, werden einfühlsame und fröhliche Gefühle transportiert, manchmal wird es traurig. Das Orchester spielt impulsiv, sehr gut aufeinander abgestimmt, so dass für Kinder und Eltern ein Gesamterlebnis aus Musik, Bildern und Geschichte wie aus einem Guss entsteht. Die jungen Zuschauer sind ganz drin in der Geschichte. Als der Riese die Kinder aus dem Garten vertrieben hat, solidarisiert sich das junge Publikum gleich mit den Kindern der Geschichte: „Und das alles haben die Kinder jetzt dem Riesen zu verdanken“, sagte ein junger Besucher entrüstet. Im Garten des Riesen wurde es ohne Kinder nicht mehr Frühling. Nordwind und Hagel sind stattdessen zu Besuch. Wie die im Garten getanzt haben, zeigte Stehr und forderte die Kinder auf, es ihm nachzutun. Das lassen die sich nicht zweimal sagen.

Nach der kleinen Tanzeinlage, die einen Teil der überschüssigen, angesessenen kindlichen Energie abgebaut hatte, können sich die jungen Besucher wieder besser auf Musik und Geschichte konzentrieren. Sie sitzen angekuschelt an ihre Eltern, schauen gebannt über die Lehne des Vordermanns oder lauschen konzentriert der Musik.

Der Riese hat schließlich erkannt, dass der Frühling nur mit den Kindern wiederkommt. Als der Riese am Ende stirbt, die Kinder ihn mit Blütenblättern bedeckt im Garten finden und die Musiker besonders einfühlsam spielen, kommen bei manchem großen und kleinen Besucher die Tränen. Doch die waren zum kräftigen Schlussapplaus schnell getrocknet.