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Diese Eule ist für Trier ein großer Gewinn

Diese Eule ist für Trier ein großer Gewinn

Die Orgel war die Hauptsache. Drei Interpreten aus Deutschland, Frankreich und England erwiesen der klingenden Königin ihre Reverenz. Bernhard Haas, Daniel Roth und Thomas Trotter demonstrierten dabei: Die stilistische Bandbreite des neuen Instruments ist enorm.

Trier. Basilika-Kantor Martin Bambauer kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: "Ich entdecke jetzt allmählich, was sich mit der neuen Orgel alles machen lässt."
Drei angesehene Interpreten haben demonstriert: Mit der neuen Orgel aus der Bautzener Werkstatt Eule (der "Eule-Orgel") befindet sich in der Konstantin-Basilika ein Instrument, das sich als ungemein flexibel zeigt - mal drastisch auftrumpfend, mal zart tonmalend und dabei mit einer dynamischen Beweglichkeit, die man einer Orgel gar nicht zutrauen mochte.
Ungemein flexibler Gesamtklang


Wenn Bernhard Haas Max Regers Choralfantasie über "Halleluja, Gott zu loben" unter Hände und Füße nimmt, dann klingt nichts mehr nach strengem Neubarock. Bei ihm klingt genau mit, was Reger vorschrieb - ein organischer, ungemein flexibler Gesamtklang, in dem die Choralmelodie nur selten dominiert, aber immer erkennbar bleibt. Und wenn Reger gegen Ende die volle Orgel fordert, dann entwickelt das Instrument einen Klang voller Strahlkraft, aber ohne Druck und Forcierungen. Dieses Instrument klingt groß, aber nicht unbedingt laut. Und es entfaltet seine Qualitäten vor allem in einer enorm breiten Klangfarben-Palette.
Da brilliert beispielsweise Thomas Trotter mit seinem englisch-amerikanischen Programm in einer Vielzahl von präzise aufeinander abgestimmten Farben - eine Kathedralmusik, repräsentativ und detailreich, offensive Energie und Noblesse zugleich. Und er liefert in Edward Elgars Sonate op. 28 ein packendes Plädoyer für einen Komponisten, den das deutsche Musikleben immer noch erst allmählich entdeckt.
Und wenn bei Daniel Roth französische Musik von Boely, César Franck und Widor auf dem Programm steht, dazu eine eigene Komposition, und wenn er am Ende über "Es kommt ein Schiff geladen" improvisiert, dann distanziert er sich entschieden von impressionistischen Klangspielen. Eine französische "Clarté" klingt immer mit, eine Deutlichkeit der Konturen, die so auf der Basilika-Orgel nicht immer gelang.
Tückische Distanzen


Die Entfernungen in der Basilika sind enorm. Da können je nach Sitzplatz Laufzeit-Probleme auftreten. Es kann passieren, dass ein bestimmtes Manual und vor allem das Pedal den Hörer später erreichen als andere Orgelstimmen. Aber Daniel Roth und Thomas Trotter erwiesen sich als Meister im Umgang mit Kathedralorgeln. Da stimmten nicht nur die Farben, sondern auch die Klangkonturen.
Drei Orgelprogramme mit zwei Pausen dazwischen, das summierte sich auf gut drei Stunden. Aber die meisten der rund 400 Besucher harrten aus bis zum klangvollen Schluss.
Martin Bambauer verkündete es am Anfang mit verhaltenem Stolz: Bis jetzt haben bereits an die 4000 Besucher die neue Orgel gehört.
Extra

... Daniel Roth Alle sind sich einig: Die neue Basilika-Orgel ist außerordentlich. Wodurch zeichnet sich dieses Instrument aus? Roth: Der Klang ist ganz besonders schön, von allen Registern, und was ich besonders gerne habe: Dass es so große Möglichkeiten gibt zur Klang- und Lautstärkedifferenzierung. Sie haben auch auf der alten Schuke-Orgel gespielt. Wird die jetzt überflüssig? Roth: Die Schuke-Orgel ist natürlich deutlich kleiner, aber sie ist sehr gut. Es ist erstaunlich, wie das Instrument mit seinen wenigen Registern im großen Basilika-Raum geklungen hat. Die neue Orgel kann das alte Instrument nicht ersetzen. Bei der Planung einer neuen Orgel orientiert man sich oft nur an der Vergangenheit. Hat die Eule-Orgel auch ein Zukunftspotenzial für neue Kompositionsideen? Roth: Jede Orgel, die gut konzipiert ist, wurde nicht nur für das alte Repertoire gebaut. Die neue Basilika-Orgel mit ihren ganz unwahrscheinlichen Klangfarben kann Komponisten zu Neuem inspirieren. mö