"Dieser Wohnraum ist auf Dialog gebaut"

"Dieser Wohnraum ist auf Dialog gebaut"

TRIER. Die Architektur geht wieder in sich, zumindest auf dem Trierer Petrisberg. Auf dem ehemaligen Militärgelände entsteht ein Wohngebiet, das sich beispielhaft auf alte Architekturtugenden besinnt. Als "Bauausstellung Petrisberg" sind ab 22. April die ersten Häuser zu besichtigen.

Dass es hierzulande schlecht um die Baukultur steht, sieht, wer Augen im Kopf hat. Hemmungslos zersiedelte Landschaften, der Ausverkauf ganzer Baugebiete an Bauträger, ein wirres Materialgemenge bei ansonsten stereotypen Entwürfen machen aus Bauwirtschaft und Architektur eine wahre Unkultur. Mit dem Projekt auf dem Petrisberg haben nun Land und Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP) einen neuen Vorstoß unternommen, dahin zurückzukehren, wo Baukultur einst zu Hause war. Mit im Boot sitzen die Stadt Trier und die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung. Als Anfangsinvestition haben Land und EGP je 90 000 Euro zur Verfügung gestellt, die für die Erstellung des städtebaulichen Konzepts und dessen fachmännische Begleitung verwendet werden. Geplant ist in der Nachbarschaft von Wissenschaftspark und neuen Freizeitanlagen ein benutzerfreundliches Wohnviertel, das sinnvoll auf die Landschaft antwortet und Architektur wieder als Bewusstseinsbildung begreift. Schon jetzt weist die Planung ein spannendes Miteinander von verdichteter und vereinzelter Bauweise auf. Reihenhäuser und Straßenzüge machen gemeinsam mit freistehenden Wohnhäusern aus dem Quartier einen lebendigen Lebensraum. Zusammengehalten wird das Ganze durch die Landschaft mit ihren Parks, Gärten und Grünanlagen. "Auf Dialog gebaut" werde das Wohngebiet, sagt Jan Eitel. Womit der Geschäftsführer der EGP den formgebenden Gedankenaustausch zwischen den ausschließlich privaten Bauherren und zuständigem Architekten genauso meint, wie den der Gebäude und Planungsbereiche untereinander. Planung und Bauleitung der Häuser obliegt einem Architektenpool von derzeit 60 Mitgliedern, aus dem sich die Bauherren ihren Baumeister aussuchen können. Damit die vielen Architektur-Köche nicht den "Brei" verderben, hat das letzte Wort bei der Planung ein Gestaltungsbeirat, für dessen Vorsitz die EGP mit Thomas Sieverts einen der angesehensten deutschen Stadtplaner gewonnen hat. "Wir wollen nachhaltige baukulturelle Werte schaffen", betont der Architekturprofessor aus Bonn. "Der Petrisberg soll eine gute Adresse werden." Drei typische städtebauliche Situationen weist das neue Baugebiet aus. Dem urbanen "Wohnen an der Wasserkante" im Reihenhaus stehen als "Wohnen in der Landschaft" die Einzelhäuser gegenüber. Wie man in der geschlossenen Reihe eines Straßenzugs bekömmlich lebt, wird im Bereich "Wohnen an der Magistrale" architektonisch diskutiert. Als erstes sind jetzt zehn Reihenhäuser fertig geworden. Die abwechslungsreiche Häuserreihe, die nach vorne auf das schöne "Wasserband" blickt, öffnet sich nach hinten in lange, durch Mauern getrennte, Gartenhöfe. Gemeinsamer Nenner der Häuser sind die Zweigeschossigkeit und das Flachdach. Ansonsten unterscheiden sich Baumaterial sowie Fassaden- und Innengestaltung. Die Bedürfnisse der Bauherren standen im Vordergrund bei diesem an englische und holländische Vorbilder erinnernden Projekt. "Der intensive Austausch mit den Bauherren, die Sensibilisierung für die eigenen Ansprüche wie für gute Architektur ist ein zentrales Anliegen bei diesem Vorhaben", erklären die Planer. Zugegeben: In den langen Gartenhöfen wird sich nur wohlfühlen, wer seinen Garten als Raum im Wortsinn begreift. Etwas problematisch erscheint - im Interesse der Nachbarn - auch die Möglichkeit, auf den langgezogenen Grundstücken einen zweiten Bau zu errichten. Erfreuliches gibt's vom bauherrlichen Budget zu vermelden: Bereits für 200 000 Euro war eines der Häuser zu errichten. Info unter www.petrisberg.de Informationen zur Landesgartenschau gibt es unter der Hotline 0180/5112004 (zwölf Cent pro Minute).