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Diesseits des Zaunes

Liedermacher Michael Fitz hat vier akustische Gitarren mit in die Synagoge in Wawern gebracht. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Liedermacher Michael Fitz hat vier akustische Gitarren mit in die Synagoge in Wawern gebracht. TV-Foto: Dirk Tenbrock FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Wawern. Vor ungewohnt kleinem Publikum spielt der Liedermacher Michael Fitz in der ehemaligen Synagoge in Wawern. In seinen Songs bedichtet er Alltägliches und Zwischenmenschliches. Das Publikum findet sich in den Texten offenbar wieder.

Wawern. Eigentlich ist Michael Fitz auf größeren Bühnen unterwegs, aber die besondere Atmosphäre der ehemaligen Synagoge in Wawern, wo das Publikum bei restlos ausverkauftem Haus gerade einmal 100 Köpfe zählt, nimmt auch ihn gefangen. Quasi mitten unter den Zuschauern sitzt er da mit seinen vier akustischen Gitarren und dem Mikro.
Dafür, dass ihn - der er seit 1984 schon ausschließlich auf Bayrisch singt - quer durch die Republik auch die Nicht-Bayern verstehen, hat er irgendwie auch selbst gesorgt. War Fitz doch von 1990 bis 2007 als Kommissar Carlo Menzinger Teil des Münchener Tatort-Teams und lockte sonntagsabends viele Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Das ist lange vorbei, sein Ausstieg aus der Serie ermöglichte ihm als Schauspieler den Zugang zum Charakterfach und als Liedermacher einen Popularitätsvorschuss und die Freiheit, sich in der Musik zu verwirklichen.
Zu Anfang ist es kalt in der ungeheizten Synagoge, das ändert sich schnell, schon die ersten Songs gehen zu Herzen. Fitz singt zwar von alltäglichen Dingen in zwischenmenschlichen Beziehungen, bedichtet Kleinigkeiten wie die Frage "Wer hat recht?", verhandelt aber die großen Themen des Lebens: Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit, Einsamkeit, Freude und Leid.
Zwischen den Liedern stellt er Bezüge zu seinem eigenen Leben her, das ist sympathisch und authentisch. Wenn es um die "Kirschen in Nachbars Garten" seiner Kindheit geht, sei er jedenfalls immer diesseits des Zaunes geblieben. Und wenn er singt, dass er eher nicht auf das Eis des gefrorenen Sees gehe, dessen Dicke er misstraut, steht das sicherlich allegorisch auch für einen Aspekt seiner Persönlichkeit.
Er selbst findet Sicherheit bei seiner Familie und seiner Frau, die ihn auch oft auf seinen Konzertreisen begleitet und dafür sorgt, dass seine Qualitäten als Autofahrer gebührlich gewürdigt werden. Musikalisch hat Fitz ein breites Spektrum, Blues und Folk gehören dazu, manche Nummern klingen gar rockig.
Auch Lieder, die nur aus vier Akkorden bestehen, beherrscht er, das sei "gerade sehr angesagt bei Singer-Songwritern" bemerkt er schmunzelnd.
Seine Stimme ist wandlungsfähig, der Ton lakonisch bis bestimmt. Dabei ist der 58-Jährige mit seiner jungenhaften Attitude auch ein Frauenschwarm; wenn er die Beziehungskiste auspackt und von den Irrungen und Wirrungen des Paar-Seins singt, dann lacht manche Dame im Publikum kokett. "Der ist klasse, man findet sich wieder in seinen Songs", kommentiert jemand aus dem Publikum, allerdings ein Mann. DT