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Dieter Baumann als Comedian in der Tufa Trier

Comedy : Baumann kann nicht singen – aber zaubern

Aus dem Stadion auf die Kleinkunstbühne: Olympiasieger Dieter Baumann als Comedian in der Tufa Trier.

Und er läuft doch in Trier! Dieter Baumann. Die deutsche Lauflegende schlechthin. Olympiasieger 1992, der „weiße Kenianer“, der die „echten“ das Fürchten lehrte und 5000 Meter so schnell lief wie sonst niemand, der nicht in Afrika geboren wurde. „Ich freue mich, dass ich im Vorprogramm des Silvesterlaufs endlich am Start bin“, sagt Dieter Baumann. Der prominenteste deutsche Läufer gibt in der Tufa quasi den Startschuss zur Feier zu 30 Jahren Silvesterlauf Trier. Nicht auf der Laufbahn, auf dem Laufband. Vor dem großen Jubiläumsrennen am heutigen Dienstag am Hauptmarkt (Beginn: 12.45 Uhr, siehe Sportteil) gönnt der Silvesterlauf-Ausrichterverein sich und 240 Laufbegeisterten einen humorvollen, manchmal auch nachdenklichen Auftakt.
„Dieter Baumann läuft halt (weil: singen kann er nicht)“ heißt das fünfte Comedyprogramm des Olympiasiegers. Auf einem offensichtlich in handwerklicher Eigenarbeit um- und ausgebauten Laufband erzählt und philosophiert Baumann Kilometer für Kilometer vordergründig von seinem ersten Ultramarathon im schweizerischen Biel: Vom Geruchserlebnis beim Start, zusammengepfercht zwischen 3000 anderen Läufern: „Eine Mischung aus Franzbranntwein und Zaziki.“ Von den verschiedenen Läufercharakteren: Den Tiefstaplern, die erzählen, wie schlecht sie sich fühlen und wie krank sie doch waren – und mit dem Startschuss an die Spitze eilen. Von euphorischen Moderatoren am Streckenrand und  Großmaul Gelbsocke, der sagt: „Hey Baumann! Ich warte auf dich im Ziel mit ’nem Bier. Denn wenn du kommst, gibt’s keins mehr.“
Fünf Kilometer, die für Baumann immer 5000 Meter („meine Strecke“) bleiben werden: Der 54-Jährige, weiterhin sehnig, durchtrainiert, springt vom Laufband und macht das, was er eigentlich – und offensichtlich – nicht kann: singen. „Wohin mit der Medaille“, heißt der Sprechgesang, zu dem sich Baumann auf dem Keyboard begleitet. Denn was macht ein Olympiasieger mit seiner Goldmedaille? Wo bewahrt man sie auf? Im Badezimmer? Oder doch ständig um den Hals tragen? Eine Antwort bleibt er schuldig.
Auch wenn er nicht singen kann, Baumann bezeichnet sich seit 1986 als Künstler. Als er das erste Mal Deutscher Meister wurde, diktiert er den Reportern in ihre Notizblöcke: „Ich bin ein Künstler, ein Laufkünstler. Und heute war ich ein Maler.“ Jede Phase des Rennens ein Pinselstrich. Sein Bild, das er auf der Bühne der Tufa präsentiert, erscheint wirr und ist zu einem Puzzle zerschnitten. Aber ein schöner Holzrahmen wertet doch alles auf, meint Baumann. Alles in seinem Puzzle passt bis zum Olympiasieg 1992 zusammen. „Der Baustein Barcelona hat in mein Leben eingeschlagen wie eine Bombe und kein Teil auf dem anderen gelassen“, erzählt Baumann. Es dauert ein Jahr, bis er einen Platz für das neue Puzzlestück findet. Dann kommt die Zahnpasta-Affäre (Baumann wurde 1999 positiv auf das Dopingmittel Nandrolon getestet, das aus seiner Zahnpasta stammen sollte). Eigentlich will Baumann bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Marathon laufen und in die Sportpolitik. „Mit diesem Baustein war alles nicht mehr möglich“, sagt er. Aber sonst wäre Baumann wohl nicht den Weg aus dem Olympiastadion auf die Kleinkunstbühne gegangen, pardon, gelaufen. Er ist sich beim Puzzeln mit dem ungeliebten Teil Zahnpastaaffäre treu geblieben: „Ich habe gemerkt, ich kann zaubern. Der Rahmen, den ich vor 33 Jahren gebaut habe, passt immer noch, obwohl viele Bausteine dazugekommen sind.“ Sagt‘s und legt den Holzrahmen um das um die zusätzlichen Teile ergänzte Puzzle.