Diva besticht mit Temperament und Natürlichkeit

Diva besticht mit Temperament und Natürlichkeit

Sie ist so eine Art Stammgast beim Mosel Musikfestival. Und jedes Mal begeistert Star-Sopranistin Simone Kermes ihr Publikum aufs Neue. So wie am Sonntag im Kloster Machern, wo sie mit einem Liederabend zu Gast war.

Bernkastel-Wehlen. Die Kermes ist nun mal die Kermes. Eine Sängerin der Superlative und ein lebendes Feuerwerk, das Funken in allen Farben sprüht. Die aus Leipzig stammende Sopranistin ist eine Diva geradezu barocken Formates. Dennoch hat sie sich eine Natürlichkeit bewahrt, die sogleich auch die für sie einnimmt, die solch ausgeprägte Exaltiertheit eher weniger schätzen.
Mosel Musikfestival


In Machern tritt die Sängerin diesmal fast mädchenhaft auf, im rosa Seidenkleid mit hoher Empiretaille. An die Mosel ist die Sopranistin einmal mehr mit dem Fauré-Quartett gekommen, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert. Ein "Doppelgeburtstag", wie Intendant Hermann Lewen scherzt, angesichts des 30-jährigen Bestehens des Mosel Musikfestivals.
Ein Liederabend mit Werken von Richard Strauss und Gustav Mahler steht auf dem Programm. Simone Kermes hat sich den Traum aller Opernsänger erfüllt. Seit längerer Zeit ist sie mit Liedern unterwegs. Auch wenn sie damit ihr Kerngeschäft, die Barockoper, verlässt, die Kermes bleibt sie trotzdem: gestenreich, expressiv, zuweilen explosiv.
"Auf hebe die funkelnde Schale" - erklingt gleich eingangs frisch und energisch Richard Strauss' "Heimliche Aufforderung". Was als diskrete Verständigung zweier Liebender gedacht war, wird bei Kermes zur mutwilligen Herausforderung, das eher altmodische Pathos des Liedes zum vitalen Sturm und Drang.
Ihr warmer Sopran mit seiner Farbenfülle und seinem atemberaubenden Umfang, der bisweilen in schwindelerregende Höhen springt, versteht sich auf alle Seelenlagen. So leidenschaftlich Kermes' Stimme liebt, so verzweifelt vermag sie zu hoffen und zu leiden wie in Strauss' "Allerseelen" oder Mahlers Soldatenlied "Wo die schönen Trompeten blasen". Allerdings wird es zuweilen doch ein wenig zu viel mit der Theatralik. Hinzu kommt, dass die Sängerin offensichtlich indisponiert ist, so dass sich ihre Stimme nicht selten nach oben quält.
"Mein Herz schlägt wie wild. Ich glaube, das ist der Kreislauf", erklärt Kermes mit entwaffnender Offenheit. Wer mag ihr da die Ausrutscher übelnehmen. Ohnehin ist die Sängerin da am anrührendsten, wo sie am leisesten ist. "Träume, träume" klingt wunderbar innig das Wiegenlied von Richard Strauss. Und herrlich tröstlich sein "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen".
Das Fauré-Quartett schafft den Liedern einen fein nuancierten Klangteppich. Eingeleitet hatte es das Konzert mit Richard Strauss' kontrastreichem Klavierquartett op. 13 c-Moll, leider zerpflückt in Einzelsätze als Rahmen für Strauss-Lieder. Darunter leiden Spannung, Zusammenhang und Gefühl für die Gesamtform des Werks. Aber die Musiker beweisen Kraft, Risikofreude und Lust am Spiel. Herausragend: Erika Geldsetzer an der Violine. 250 Zuhörer im ausverkauften Saal bejubeln am Ende die Musiker, vor allem aber ihren Liebling Simone Kermes. er