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Kultur
Doktorhut für traditionsreiche Stiftung

Der Kreisel auf dem Kreisel in Konz ist eines der Werke des Künstlers Harald Pompl.
Der Kreisel auf dem Kreisel in Konz ist eines der Werke des Künstlers Harald Pompl. FOTO: TV / Friedemann Vetter
Konz. Der Konzer „Kreiselkünstler“ Harald Pompl setzt der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung einen neuen Hut auf. Von Eva-Maria Reuther

„Sieben auf einen Streich“ waren es noch nicht, als Harald Pompl in Konz sich das erste Mal an seine Kreiselkunst machte. Kaum anderswo werden so konsequent wie in der Stadt am Zusammenfluss von Saar und Mosel Kunst und Verkehrsführung zusammengebracht. Begonnen hatte alles um die letzte Jahrtausendwende, als der damalige kunstsinnige Verbandsbürgermeister Winfried Manns das erste Kreiselkunstprojekt an Harald Pompl in Auftrag gab und der Frankfurter Künstler die inzwischen berühmte „blaue Säule“ schuf. Doch dabei blieb es nicht.

Seit 2000 sind in Konz sechs Werke von Pompl im öffentlichen Raum entstanden. Am Freitag wird nun die siebte enthüllt. Pompls derzeit jüngste Konzer Arbeit ist eine Skulptur in Konz-Könen, die auf das Gewerbegebiet verweist.

Die „öffentliche“ Kunst des 1952 geborenen Nürnbergers, die inzwischen fraglos das Konzer Stadtbild prägt, versteht sich stets auch als Ortsbestimmung, die einen Zusammenhang zwischen Werk und Standort herstellt, zwischen der Bildsprache der Kunst und der Geschichte wie Realität der Stadtkultur. Sie ist gleichermaßen Identitätssymbol wie eigenständiges Kunstwerk. So wie der Reifen auf dem Saarkreisel, der Bewegung signalisiert und dem Pompl einen Weg aus alten Steinen der gesprengten ehemaligen Brücke über die Saar geebnet hat. Den roten Reifen hat sich der Konzer Volksmund inzwischen liebevoll spöttisch als „Donut“ angeeignet.

Und auch der Kreisel auf dem Kreisel ist mehr als ein bildnerisches witziges Wortspiel. Er verweist auf den Fund eines römischen Kreisels in Konz, eben jenem Spielzeug, wie es bis heute Kinder besitzen. Die Bautätigkeit im Stadtgebiet Rohscheider Hof zitiert der bunte Würfel auf dem zugehörigen Kreisel. Dass man seine Arbeiten unmittelbar erfasst, schafft der Absolvent der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, der inzwischen ins heimatliche Frankenland zurückgekehrt ist, mit Hilfe einer klaren Bildsprache und einer markanten Farbigkeit, die augenblicklich die Aneignung durch den Betrachter ermöglichen. „Ich will erreichen, dass wer vorbeikommt, sofort erkennt, was er sieht“, sagt Pompl. Das wird dem Betrachter gewiss auch bei seinem neuen Doktorhut gelingen.

Als Pompls siebtes Werk soll er künftig im Weinberg über Konz auf die Konzer-Doktor-Bürgerstiftung aufmerksam machen, eine Stiftung, die der Förderung, Ausbildung und Integration junger Menschen aus Konz und der Verbandsgemeinde dient. Zum zehnjährigen Bestehen soll mit dem neuen Doktorhut auch die Zeichensprache, sprich das Logo der Stiftung, zeitgemäß modernisiert werden. „Wir wollten mit dem modernen Doktorhut ein zeitgenössisches neues Symbol haben“, sagt Stiftungsgründer und Vorsitzender Hartmut Schwiering, der mit seiner Frau Rosemarie das Kunstwerk in Auftrag gegeben und gestiftet hat. Für die Stifter ist neben dem Hut auch die Ausführung als siebtes Kunstwerk bedeutsam, verweist die Zahl doch auf die antiken sieben Künste. Hut wie alle anderen Werke müssen für Pompl allerdings auch ohne Verweise als bildhauerische Arbeit Eigenstand beweisen. „Die Arbeit muss funktionieren“, sagt der Künstler, der eine große Nähe zur Pop Art empfindet. So ist sein Lieblingswerkstoff auch ein Polyesterharz mit Glasfaserverstärkung, das eingefärbt Farbverläufe ermöglicht, Farben zum Leuchten bringt und aus dem Werk ein Zwitterwesen aus Skulpur und verräumlichter Malerei macht.

Gleichermaßen Klarheit wie Deutungsspielraum ermöglichen auch die schlichten geometrischen Formen, die Pompl nutzt, wie Kegel, Kubus oder Kreis, die jedermann kennt und in denen die antiken Philosophen die ganze Welt ausschreiten wollten. Anders als der bekannte flache Doktorhut wird der neue Hut der Stiftung ein hoher Zylinder mit flacher Krempe sein, in den traditionellen Farben der Stiftung gelb und blau, wie er im 18. Jahrhundert als Kopfbedeckung getragen wurde. Pompl: „Der Hut muss als Hut schnell erfassbar sein.“

Die Skulptur wird am 21. September, 17 Uhr, auf dem Grundstück am Obersten Sprung, Roscheider Straße, (gegenüber der Einmündung der Straße Am Sprung, 54329 Konz) enthüllt.

Der Künstler Harald Pompl.
Der Künstler Harald Pompl. FOTO: TV / Privat