Domenico Cimarosas Oper „Il matrimonio segreto hatte in Trier Premiere –  und wurde vom Publikum minutenlang gefeiert.

Theater Trier : Die Liebe ist an allem schuld: Umjubelte Premiere von „Il matrimonio segreto“

Domenico Cimarosas Oper „Il matrimonio segreto“ hatte in Trier Premiere –  und wurde vom Publikum minutenlang gefeiert.

Wo klüngelt der erfolgreiche Mann seine Deals aus? Selbstredend in der Sauna. Das tut auch Kaufmann Geronimo. Der sitzt mit dem angepeilten Schwiegersohn im heimischen Schwitzbad und versucht den widerborstigen Grafen zur Heirat mit der älteren Tochter Elisetta zu bewegen. Geronimo hat es zu etwas gebracht, einschließlich Villa, Pool, Golfbesteck und besagter Sauna. Zum Glück fehlt ihm nur noch der Adel. Den soll Graf Robinson nun ins Haus bringen. Dummerweise ist der unsterblich in Elisettas jüngere Schwester Carolina verliebt, die aber heimlich den jungen Paolino, einen Angestellten ihres Vaters geheiratet hat. Was Papa nicht weiß. Wenn das mal keinen Ärger gibt.

Als einen Riesenspaß hat Andreas Rosar Domenico Cimarosas heitere Oper „Il matrimonio segreto“ inszeniert. Die etwas hölzerne Handlung des „Dramma giocosa“ aus dem späten Rokoko hat der Regisseur in die 1950/60er Jahre verlegt. Mit Leichtigkeit und Transparenz und  der richtigen Mischung aus  Satire, Klamauk und Gefühl trifft er dabei den Ton der Entstehungszeit und fügt passgenau Bilder und Musik zusammen. Neben der unbändigen Spiellust der Sänger, die mit  großem komödiantischen Talent bei der Sache sind und so kleinere gesangliche Ausreißer bestens wettmachen, sind es  vor allem die  gekonnte Personenführung Rosars mit  ihren bis in kleinste  Detail ausgestalteten Rollen. Sie verhindert, dass  das Stück weder in Klamauk noch in Langeweile endet.

Frisch und frech beginnt der Abend. Man ist augenblicklich informiert, womit man es zu tun hat, angesichts der Wäscheleinen voll makellosen weißen Betttüchern, mit denen Martin Warths Bühne  eingangs vollgehängt ist. Der rote Slip dazwischen signalisiert, dass die Tadellosigkeit womöglich doch ein paar Löcher hat, durch die man gerne schlüpfen würde. Schon taucht Carolina auf, überzeugend dargestellt von Frauke Burg als kesse junge Frau mit Tupfenkleid und Petticoat (Kostüme Carola Vollath) , die sich nach ihrem Paolino sehnt und im Laufe des Abends deutlich an stimmlicher Sicherheit gewinnt.

Was sich in der Folge an  Irrungen und Wirrungen entwickelt, hat Rosar in  einer Art Puppenhaus verortet. Mit Hilfe der Hebebühne wird gleichzeitig der Blick ins Hausinnere wie auf die Dachterrasse ermöglicht. Dort landet auch, wie weiland  „Quax der Bruchpilot“, Graf Robinson im hauseigenen Wespennest. Mit weichem geschmeidigen Bariton  verzehrt sich Aarne Pelkonen nach Carolina und wehrt sich gegen Elisettas Avancen, indem er den Spießer mimt. Wobei er ebenso erfolglos bleibt, wie beim Einlochen mit dem Putter auf dem Kunstrasen Golf Green  seines Schwiegervaters in spe. Den gibt László Lukács perfekt: polternd, schlitzohrig, aber immer ein wenig schwer von Begriff.

Als verschmähte Elisetta vom Typ brave  Tochter und spätes Mädchen verfügt Eva Maria Amann  stimmlich wie spielerisch über jede Menge Energie und Ausdruck, um an ihr Ziel zu gelangen. Gefühlvoll: Svetislav Stojanović als Paolino. Eine Paraderolle für den Erzkomödianten Fritz Spengler ist Fidalma. Stimmlich überzeugend  mimt der Countertenor als in jeder Hinsicht imposante Persönlichkeit, die reiche  verwitwete Schwester des Hausherrn, die Pralinen nascht, sich den schmalen Paolino im Wortsinn zur Brust nimmt und bei der Beinmassage von Butler Ralf Neisius stimmlich in orgastische Verzückung gerät.

Eine zentrale Rolle spielt in Rosars Inszenierung der Kühlschrank. Als eine Art Running Gag ist er stets zur Stelle, um Menschen, Kleider und Getränke verschwinden zu lassen oder zu liefern. Ein wenig arg fantasymäßig ist die Klosterszene geraten. Cimarosas Oper lebt vom Ensembleklang. Das macht sie dynamisch, aber für die Sänger schwierig. In Trier gelingt er eindrucksvoll.

Wouter Padberg dirigiert, wie Rosar inszeniert. Das engagierte Orchester setzt auf Frische und volles Risiko. In der Regel funktioniert die Kommunikation zwischen Bühne und Orchestergraben gut. Gleich in der Ouvertüre wie den ganzen Abend wird deutlich, wie umfänglich Mozart bei dieser Oper Pate gestanden hat. Zum Schluss sitzen alle zufrieden in der Sauna. Wozu der ganze Aufstand? Die Musik hat es längst verraten. Schuld an allem ist die Liebe. Und die ist nun mal wie sie ist. Bravo-Rufe, Standing Ovations und jede Menge Applaus im dreiviertel besetzten Saal.

Weitere Termine: 7., 23 und  27.Februar,11., 17., 31.März jeweils um 19.30 Uhr und am 11. März um 16 Uhr

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