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Dorfmusikanten und Kritiker

Dorfmusikanten und Kritiker

Trier . Ein Neujahrstag ohne Konzert? Für viele Musikfreunde so undenkbar wie Weihnachten ohne Baum oder Silvester ohne Sekt. Ein ausverkauftes Haus bot sich den Philharmonikern der Stadt Trier und ihrem Generalmusikdirektor István Denés zum traditionellen Neujahrskonzert im Stadttheater.

Gute Laune allenthalben, sowohl bei den Musikern auf der Bühne, die Herren befrackt, die Damen im unauffälligen Schwarzen, als auch beim Publikum, bei dem man von Jeans und T-Shirt bis zum festlichen Smoking alles fand, was die Bekleidungshäuser heute hergeben. Das neue Jahr wurde locker begrüßt, ohne störende Konventionen. Konventionen hin, Lockerheit her, eins darf bei einem solchen Anlass natürlich nicht fehlen: Kompositionen aus der Feder von Johann Strauß Sohn. Wenn auch fast schon in bescheidenem Rahmen, so waren mit den Walzern "Wein, Weib und Gesang" sowie "Rosen aus dem Süden" immerhin zwei Werke dieses Meisters des Dreivierteltakts im Programm vertreten. Mit Schwung ging Denés die beiden Opera an, und so mancher der Herren hätte gerne die Bestuhlung des großen Hauses weggeräumt und eine Dame um die Ehre gebeten. Auch Eduard Strauß, zehn Jahre jüngerer Bruder von Johann, kam mit seiner schnellen Polka "Mit Dampf" zu Neujahrsehren. Damit aber waren, wenn man von der Pflicht des Radetzkymarsches als Zugabe absieht, die Reverenzen an die Strauß-Dynastie schon beendet. Denés wandte sich lieber anderen Komponisten zu, etwa Sebastian de Yradier und dessen Habanera "La Paloma". Es war fast schon rührend, wie das Lied über die wohl berühmteste weiße Taube sich von der Bühne erhob. Mit Johan Severin Svendsen hatte Denés vor der Pause dann noch einen Komponisten in petto, der, wie sich zeigte, unverdientermaßen nahezu unbekannt ist. Das es sich hierbei um einen ehrlichen und feinsinnigen Meister handelte, zeigte vor allem Konzertmeister Petar Entchev, der in tadelloser Weise in der Romanze für Violine und Orchester den Solopart übernommen hatte.Unkonventionelles Dirigat

Nach der Pause sprühten die humoristischen Funken von der Bühne, wurde es fast schon kabarettistisch. Auftakt bildete eine Orchesterfassung von Wolfgang Amadeus Mozarts Dorfmusikantensextett, KV 522, dessen heitere musikalische Inhalte noch von einem recht unkonventionellen Dirigat unterstützt wurden. Unter Mithilfe von Schauspieler Michael Ophelder gab es dann mit der "Kleinen Gutenachtmusik" noch einmal Mozart, allerdings in der Fassung von Georg Kreisler. Wurde hier, von Ophelder wie vom Orchester gleichermaßen brillant, das Publikum aufs Korn genommen, huldigte der nächste Programmpunkt mit "Der Musikkritiker" ganz den Rezensenten. Großartig, wie farbenfroh Ophelder und Denés (als Pianist) diese Berufsgruppe schilderten. Für das Finale mit Dmitri Schostakowitschs Suite für Jazzorchester Nr. 2 konnten noch einmal alle Register des Orchesters glänzen und nutzten diese Gelegenheit gerne. Kräftig war der jubelnde Applaus am Ende eines Neujahrstages, dessen musikalischer Auftakt kaum besser hätte gelingen können.