Drachen und Kobolde

LUXEMBURG. (gkl) Als Felix Mendelssohn Bartholdy sein Konzert für Violine, Klavier und Orchester komponierte, war er gerade einmal 13 Jahre alt.

Das Werk ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass Friedrich Zelter, Kompositionslehrer des jungen Meisters ihn "getrost von Kobolden und Drachen träumen ließ". Eine durch und durch glanzvolle Aufführung erhielt das in d-Moll verfasste Werk im Conservatoire de Musique in Luxemburg im Rahmen der Konzertreihe "Classical Evenings". Es waren jedoch weniger Drachen als vielmehr Kobolde, die aus Flügel und Violine schlüpften, sich der Solisten Dina Yoffe (Klavier) und Michael Vaiman bemächtigten. Auch vor dem Kammerorchester "Solistes Européens" und ihrem Leiter Jack Martin Händler machten sie nicht Halt. Immer wieder wurde man an die zuvor entstandenen Streichersinfonien oder auch das nahezu unbekannte a-Moll-Klavierkonzert erinnert. Freilich konnte dies nur gelingen, weil sich exzellente Musiker des Werkes annahmen. Souverän ließen sie dem jugendlichen Übermut des Komponisten freien Lauf, ohne wirklich in Gefahr zu geraten, von der ungebremsten Energie überrannt zu werden. Die treibende Kraft dabei war zweifelsohne Yoffe, die der manchmal zu verspürenden Tendenz Vaimans nach ein wenig Zurückhaltung keine Chance ließ. Mit der c-Moll-Ouvertüre von Franz Schubert stand ebenfalls ein Jugendwerk am Anfang des Abends. Die Komposition des 14-Jährigen erklang in der Fassung von Ernst Hess und gab Händler von Anfang an die Gelegenheit, die hohen Qualitäten seines Ensembles zu präsentieren. Technische Präzision gepaart mit musikalischer Ausdrucksstärke, Spielfreude in Kombination mit Treue zum Notentext machten die Interpretation zu einem Hörvergnügen. Gleiches galt für die den Abend beschließende Streicherserenade Es-Dur, Opus 22, von Antonin Dvofiák, die sehr energiegeladen den großen Saal des Conservatoire füllte. Ein beeindruckender Abend.