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Drama in der Lagerhalle

Drama in der Lagerhalle

Kultur und Arbeitswelt sind normalerweise scharf getrennt. Im Ehranger Hafen soll am Wochenende zusammenwachsen, was auf den ersten Blick gar nicht zusammengehört. Ein modernes Theaterstück in einer Hafen-Lagerhalle, Video-Ästhetik trifft Industrie-Technologie.

Trier. Schon der erste Eindruck irritiert: In der rundherum rechteckigen Halle mit ihren kerzengraden Linien hängt eine große Projektionswand im vollkommen schrägen Winkel von der Decke. Rundherum wieseln etliche Mitarbeiter, um den Raum, der gestern noch den Rahmen für eine Hafen-Jubiläumsfeier bildete, in einen Theatersaal zu verwandeln.

Mittendrin Johannes Conen, langjähriger Professor für Gestaltung an der FH Trier, Theater-Bühnenbildner - und mit seinem großen Atelier Mieter im Ehranger Güterverkehrszentrum. Mit Studenten und Mitarbeitern hat er einen ungewöhnlichen Film zum 45. Geburtstag des Hafens gedreht, und dabei entstand die Idee, die funkelnagelneue, derzeit noch unvermietete Lagerhalle für eine Theaterproduktion zu nutzen.

Kultur und Industrie unter einem Dach



"Die Hafengesellschaft ist voll eingestiegen", sagt Conen, und er meint das nicht nur ideell. Man wolle "gemeinsam zeigen, dass man Kultur und Industrie unter ein Dach bringen kann", und wo solle das besser funktionieren "als am Umschlagplatz Hafen".

Es scheint tatsächlich zu funktionieren. "Manche Betriebe haben sich mit mehr als 20 Leuten angemeldet", freut sich der Initiator über das Interesse aus der Nachbarschaft. Das verspricht ein ungewöhnliches Publikum für eine ungewöhnliche Aufführung. Gemeinsam mit der Schauspielerin Martina Roth hat Conen sein "Bewegtbildtheater" entwickelt, das Video-Sequenzen und Live-Handlung so eng miteinander verzahnt, dass man künstliche und reale Welten kaum mehr auseinanderhalten kann.

Keine Angst vor riesigem Aufwand



Zwei Vorführungen von "Antigone-Stimmen" in der unübersehbaren "Roten Halle" im Güterverkehrszentrum sind im Rahmen des Hafen-Jubiläums geplant, am heutigen Freitag um 20 Uhr und am morgigen Samstag um 16 Uhr. Der Aufwand ist riesig, aber das kann Johannes Conen nicht schrecken: "Wir haben schon unter schwierigeren Bedingungen gespielt".

Zudem scheint die räumliche Synthese von Kunst und Kommerz inspirierend zu wirken. Der Professor denkt schon über ein neues Projekt nach, ein "Studio der Grenzüberschreitung", das im Ehranger Hafen Kunst-Profis und -Interessierte zusammenbringen soll. Interdisziplinär wird es zugehen, Körper, Stimme, Theater, Bild und Raum sind angesprochen. Frei schwebend und schöpferisch widmet man sich verschiedenen Formen von Kunst. Den passenden Namen haben Conen und Roth schon gefunden: "Kunst-Segeln im Hafen".

Für die beiden Vorstellungen gibt es noch Karten an der Tageskasse.