Trash Metal: Drei Akkorde und die Wahrheit

Trash Metal : Drei Akkorde und die Wahrheit

Die Band Soulfly hat den Mergener Hof in Trier in einen Hexenkessel verwandelt. Keine Feuershow, kein Bullshit, nur treibender Metal und gewaltige Energie.

Die Fans prallen gegeneinander wie wütende Atome. Die Luft können sie kaum atmen, aber sie brauchen keine Luft, nur diese Energie. Und die  ist gewaltig am Donnerstagabend im vollen Mergener Hof. Vor allem im Pit unter den Pogo tanzenden Fans. Immer gleitet einer auf Händen getragen über die Menschen. Der Sound tobt und hämmert wie eine Flak und ist doch im Subbeat träge und schwer wie ein Artilleriegeschütz.

Soulfly spielt Trash Metal mit weiteren Einflüssen, aber Frontmann Max Cavalera hat seine Wurzeln im Punk und „der kümmert sich nicht darum, ein bisschen ‚out of tune‘ zu sein“. Perfektion sei ihm langweilig, sagt der in der Wüste von Arizona lebende Brasilianer im Interview mit dem Volksfreund. Attitüde, Adrenalin und Energie sind ihm wichtiger. Er mag es „loose“, locker, frei. „Die echten Rockbands sind die alten Black Sabbath, Van Halen oder die Sex Pistols. Sie waren nie perfekt, aber die Energie war großartig. Drei Akkorde und die Wahrheit, darum geht es im Rock. Kein Bullshit, keine Feuershow, nur Rock!“

Die Lyrics von Soulfly sind einfach und kraftvoll. „Der Song ‚No hope = no Fear’ ist sehr nah an meinem Herzen“, sagt der 49-Jährige, der vor dem Interview im Tourbus Drumheads bemalt hat. „Es geht darum, nicht aufzugeben, einen Weg zu finden. Schlechtes in Gutes zu verwandeln. Die Botschaft von Soulfly ist, eine negative Situation in etwas Gutes zu verwandeln.“ Im Song heißt es: „I won‘t wait for the next life! The time is now, the time is right. Follow my heart, I‘ll get through. If you‘re not now, you never were! So lose yourself to find yourself. Don‘t need to act like nobody else.“

Soulfly spielt sich am Donnerstagabend durch mehr als 20 Jahren Bandgeschichte. Von „Prophecy“ über „Eye for an Eye“ bis zu „Ritual“. Die Menge vor der Bühne tobt die ganze Zeit. 1996 hat Cavalera die Band gegründet, nachdem er bei der legendären Band Sepultura ausgestiegen war. Die Bandmitglieder haben oft gewechselt. Aktuell spielt er mit Marc Rizzo (Gitarre), der früher bei El Niño war, Mike Leon (Bass) und seinem Sohn Zyon Cavalera an den Drums. Auch Cavaleras Frau Gloria ist immer an seiner Seite.

Dass Cavalera zur Musik und zum Metal gefunden hat, hängt auch mit einer Tragödie zusammen. „Als ich klein war, wollte ich wie mein Vater sein und in der Botschaft arbeiten.“ Sein italienischer Vater war Botschafter in Brasilien, doch dann stirbt dieser, als Cavalera neun Jahre alt ist. Für die Familie geht es bergab. Geldnot, Sorgen. Eine schwere Zeit. „Dann kam der Metal, um die Frustration zu verarbeiten“, sagt Cavalera. Und viel Alkohol. „Ich bin extrem, ich kann nicht eine Flasche Bier trinken, ich trinke 100.“

Seit mehr als zehn Jahren ist er deshalb „Straight Edge“, kein Alkohol, keine Drogen. „Ich hatte eine gute Zeit, habe viel gefeiert, aber jetzt bin mehr mit meiner Musik verbunden. Die Show und die Performance wird besser. Auf der Bühne zu sein, ist mein Lieblingsteil des Tages.“

Er lebt für die Energie, die 70, 80 Minuten alles  wegfegt, was die Leute umtreibt und sie zu einer tobenden Masse verschweißt. Gefühlt ist der Gig zu kurz. Er könnte Stunden gehen, wie ein Techno-Konzert. Man kann dem Sog nicht entkommen.

Als die Zugabe endet, tauchen die Fans wieder in die normale Welt auf, beraubt um die Energie. Doch ein bisschen von ihr bleibt in ihnen.

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