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Drei Fragen an ... den Schauspieler und Kleist-Kenner Mathieu Carrière

Trier. Der Schauspieler und Autor Mathieu Carrière wird sich am Sonntag, 6. November, im Theater Trier im Rahmen einer Matinee mit dem deutschen Dichter Heinrich von Kleist beschäftigen.

Trier. Genau 200 Jahre nach Kleists Freitod wird das Trierer Schauspiel-Ensemble zusammen mit Mathieu Carrière in szenischen Beiträgen, einem Vortrag und einer Diskussion das Leben des revolutionären Grenzgängers beleuchten und sich mit dessen Leben und Werk auseinandersetzen. Carrière ist als Verfasser eines Standardwerkes über Kleist ("Für eine Literatur des Krieges", Stroemfeld-Verlag) ein ausgewiesener Experte der Materie. Mit ihm sprach TV-Mitarbeiter Dirk Tenbrock.
Herr Carrière, was verbindet Sie mit Kleist, was trennt Sie?
Mathieu Carrière: Obwohl ich mittlerweile doppelt so alt wie Kleist an seinem Todestag bin, ist meine Faszination seit meinem Studium in Frankreich ungebrochen, er berührt mich. Sein Grenzgang zwischen Genie und Wahnsinn, seine Unstetigkeit sind mir nicht fremd, zumal ich einer Familie von Psychiatern entstamme.
Nach mittlerweile 40 Jahren Auseinandersetzung kann ich mich heute besser in ihn hineinversetzen, in sein Atelier der Unvernunft. Einige Sachen von ihm sind genial, anderes wieder ungeschickt. In unserer Matinee will ich den Leuten die Scheu vor Kleist nehmen und auch den Menschen beleuchten. Mich interessiert beispielsweise, ob er als starker Stotterer das Schreiben von Versen als Eigentherapie eingesetzt hat.
Haben Sie eine Verbindung mit der Region Trier-Luxemburg?
Carrière: Ja, ich habe in den vergangenen Jahren öfters hier gedreht und Theater gespielt und mit Frank Hoffmann, dem Intendanten des Luxemburger Theaters, eine Ingmar-Bergman-Inszenierung gemacht. Mir haben auch die portugiesischen Kneipen dort sehr gefallen. Außerdem ist man schnell in Paris, auf halbem Weg von Hamburg, ein Riesenvorteil für mich persönlich. (er lacht)
Was lieben Sie am Theater und was hassen Sie daran?
Carrière: Am Theater hat man die Möglichkeit, direkt und unmittelbar Emotionen zu erzeugen, das liebe ich sehr. Unglücklicherweise schafft man das aber manchmal nicht. DT

Kleist-Matinee am Sonntag,
6. November, 11.15 Uhr. Karten: Theaterkasse, Telefon 0651/7181818.