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Dressiert zu Anpassern: Was Schulen mit Schülern machen

Bitburg. Der Philosoph Richard David Precht kommt im Mai zum Eifel-Literatur-Festival nach Bitburg. Er wird ein Buch mitbringen, das kontroverse Diskussionen auslöst. "Anna, die Schule und der liebe Gott" ist eine Fundamentalkritik am deutschen Schulsystem und der Aufruf zu einer Bildungsrevolution.

Bitburg. Mit einer harschen These eröffnet Richard David Precht sein Buch "Anna, die Schule und der liebe Gott". Er sagt: "Unser Schulsystem fördert weder Intelligenz noch Kreativität." In Berufung auf OECD-Studien führt er weiterhin aus, Deutschland habe eines der schlechtesten Schul- und Bildungssysteme.
Dem folgt eine kritische Bestandsaufnahme, die unter anderem Unterteilung von Wissen in getrennte Fächer, Frontalunterricht im 45-Minuten-Takt und ein Bewertungssystem in Noten anprangert. Schüler würden mit Wissen vollgestopft, das sie für ihr Leben nicht brauchten.Eifel-Literatur-Festival 2014


Die Art der Vermittlung tauge allenfalls dazu, Konformisten zu züchten, die auswendig Gelerntes bei der nächsten Prüfung wieder ausspuckten und dann vergäßen. Auch kritisiert Precht ein Zwei-Klassensystem. Kinder aus gebildeten Elternhäusern hätten mehr Chancen als solche aus armen und bildungsfernen Familien. Seine Kritikpunkte sind nicht unbedingt neu. Aber Wittgenstein zitierend, sieht Precht seine Aufgabe als Philosoph im "Zusammentragen von Erinnerungen zu einem bestimmten Zweck, nämlich der übersichtlichen Darstellung".
Das tut er in zwölf Kapiteln wie "Klassenkampf in der Schule", "Pisa, G 8 und andere Dummheiten" oder "Jenseits von Fach und Note". Letzteres gehört bereits zum zweiten Teil des Buches, in dem Precht Vorschläge für eine Verbesserung des Bildungssystems, ja einer Bildungsrevolution zusammenstellt: Beispielsweise sollten klassische Schulfächer zugunsten gemeinsamer und übergreifender Projekte reduziert, Noten, Hausaufgaben und Sitzenbleiben abgeschafft und das achte Schuljahr ein reines "Abenteuerprojektjahr" werden. Mathematik gehöre ebenfalls abgeschafft und durch ein Computerprogramm ersetzt.
Precht formuliert flott, verständlich und rhetorisch geschickt. Er argumentiert mit griffigen Beispielen und wissenschaftlichen Studien, so dass seine Zielgruppen - Lehrer, Eltern, Schüler und Bildungspolitiker - je nach eigener Position vieles plausibel finden dürften. ae
Richard David Precht: "Anna, die Schule und der liebe Gott. Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern", 352 Seiten, Goldmann, 19,99 Euro.
volksfreund.de/
eifelliteraturfestival2014Extra

Beim Eifel-Literatur-Festival 2014 liest Richard David Precht am Freitag, 9. Mai, 20 Uhr, in der Stadthalle Bitburg aus "Anna, die Schule und der liebe Gott". Karten: TV-Service-Center in Trier, TV-Tickethotline 0651/7199-996, Internet-Adresse www.volksfreund.de/tickets Infos: www.eifel-literatur-festival.de ae