Durch die Jahrzehnte mit Heinz Becker

Durch die Jahrzehnte mit Heinz Becker

Der Komiker Gerd Dudenhöffer, vielen als Heinz Becker bekannt, ist in der Trierer Europahalle vor 730 Zuschauern mit seinem Programm "Vita. Chronik eines Stillstandes" aufgetreten. Der erneute Versuch, die Kultfigur zum Kommentator des Zeitgeschehens zu machen, ist nicht rundum gelungen.

Trier. Die eigene Geburt, Kommunion, Verlobung, Hochzeit, die Geburt eines Kindes: wesentliche Ereignisse im Leben eines Menschen, die nachhaltig prägen. Das geht auch dem gemeinen Saarländer so. Und genau diesen Stationen im Lebenslauf widmet sich Dudenhöffer in seinem neuen Programm "Vita. Chronik eines Stillstandes". Darin skizziert er mit vielen Anekdoten und noch mehr Kalauern fast das gesamte bisherige Leben seiner Kunst- und Kultfigur Heinz Becker
Die Ereignisse aus Beckers Leben verknüpft Dudenhöffer mit wichtigen Ereignissen der Zeitgeschichte von den 1950er Jahren bis heute. Und präsentiert gleichzeitig den teils banalen Kommentar der fiktiven saarländischen Zeitgenossen dazu. 1961 etwa hätten sich Onkel und Tante scheiden lassen. "Das war ja in dem Jahr, als die Mauer gebaut wurde", erzählt Becker, "Ein richtiger Skandal war das damals für die Leute. Also die Scheidung."
Der Versuch, die große Weltgeschichte mit dem kleinen saarländischen Alltag aus der Sicht Beckers zu verbinden, ist ehrenhaft - gelingt aber nicht immer. Die Haltung der Figur Becker bleibt bis zum Schluss des Programms indifferent. Komplexe Themen wie Zuwanderung, islamistischer Terrror, der Aufstieg von AfD und Pegida reduziert Becker im Wesentlichen auf Stammtischparolen. "Das mit der AfD ist wie mit den Unterhosen, wenn du die nicht von Anfang an richtig säuberst, bekommst du die braunen Stellen gar nicht mehr raus", sagt Becker und erntet an dieser Stelle den wohl lautesten Lacher an diesem Abend. Auf der anderen Seite bringt Becker alias Dudenhöffer aber auch Kommentare wie diesen, diesmal Gattin Hilde in den Mund gelegt: "Die Silvesternacht in Köln, das war doch nur was für junge Leute. Aber hätten die das früher angekündigt, wären sicher mehr Frauen gekommen."
Früher war - wenn nicht alles besser, dann doch zumindest - vieles einfacher, so lautet die These, an der Dudenhöffer sich im Großen und Ganzen durch das Programm hangelt. "Hat sich doch früher niemand was dabei gedacht zu sagen: ,das ist mir schleierhaft'?" sagt er und spielt auf die aktuelle Debatte rund um das Burka-Verbot an.
Den Schlusspunkt der Reise durch Beckers Leben bildet übrigens der Anschlag auf das World Trade Center vor 15 Jahren. Das hat sich Becker mit Gattin Hilde damals im Fernsehen angeschaut. "Hilde hat ja gesagt, sie müsse eigentlich noch einkaufen gehen, aber das würde sie ja dann doch interessieren." Zum Fernsehnachmittag servierte die Gattin kurzerhand Fleischkäse aus dem Tiefkühler. lbe

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