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Edles, Gewichtiges und Freches aus Metall und Edelstein

Edles, Gewichtiges und Freches aus Metall und Edelstein

Schmuck ist mehr als reine Dekoration. Die Fachrichtung Edelstein und Schmuck der Hochschule Trier in Idar-Oberstein beschäftigt sich seit 30 Jahren mit diesem Thema. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift informiert über die Arbeit der Fachrichtung und vermittelt Einblicke in die geistige und gestalterische Auseinandersetzung, die der Schmuckerzeugung vorausgeht.

Trier/Idar-Oberstein. "Ein leuchtend Farb- und Glanzgestein erhöht die Schönheit, wie die Majestät", schmeichelt Mephisto im zweiten Teil von Goethes "Faust" dem Kaiser. Was der Teufel weiß, wissen die Professoren und ihre Mitarbeiter in Idar-Oberstein schon lange. Seit 30 Jahren setzt sich dort die Fachrichtung Edelstein und Schmuck der Hochschule Trier mit den Eigenschaften, Vorzügen und Gestaltungsmöglichkeiten der Pretiosen auseinander. Das traditionsreiche Zentrum der Edelsteinschleiferei und des internationalen Handels ist der ideale Standort für die Auseinandersetzung mit den wertvollen Mineralien, die unbearbeitet eher unscheinbar wirken, und von denen doch jede ihren eigenen unverwechselbaren Kosmos einschließt. Sozusagen handverlesen in aller Welt werden heute 50 Studenten in dem kleinen, aber feinen Studiengang ausgebildet, der mit einem deutschen Bachelor oder einem weltweit in diesem Fach einzigartigen international anerkannten Master of Fine Arts/Applied Arts abgeschlossen werden kann. Was in den letzten zehn Jahren dort an Highlights entstanden ist, zeigt jetzt eine zweiteilige umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift.
Harte Arbeit und Leidenschaft


Die Zusammenarbeit des Museums mit der Hochschule beruhe gleichermaßen auf dem gemeinsamen Kooperationsvertrag wie auf den Richtlinien des Kulturleitbildes der Stadt Trier, erklärt Elisabeth Dühr, die Direktorin des Museums. Die präsentierte Schau ist umfangreich und vielgestaltig. "Die Auswahl war schwierig, angesichts der vielen guten Arbeiten" erklärt Theo Smeets. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Ute Eitzenhöfer und Eva-Maria Kollischan sowie Alexandra Orth vom Simeonstift hat der Professor für Edelstein und Schmuck das Projekt betreut.
Wenn Smeets von der Schmuckherstellung spricht, klingt mit, was er von seinen Studenten verlangt. "Der Beruf, auf den wir hinarbeiten, ist harte Arbeit und erfordert Leidenschaft", erklärt der Hochschullehrer. "Die Studierenden werden nicht darauf vorbereitet, Durchschnittsware zu produzieren, die sich gut vermarkten lässt." Jedes gezeigte Stück sei ein Unikat, Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, mit Geschichte, Gesellschaft und Zeitgeist. Da es sich um Schmuckstücke handelt, müssen sich die Studierenden zudem mit dem Thema auseinandersetzen, was Schmuck will und welche Trage-Eigenschaften er hat. Reflektiert werden muss überdies der kulturell abhängige Schönheitsbegriff. Wer sich im Simeonstift durch die etwas verwirrend aufgestellten Schmuckvitrinen im Wechselraum arbeitet, erhält nicht nur Einsicht in den geistigen wie handwerklichen Arbeitsprozess der Schmuckherstellung, sondern auch eine Fülle Denkanstöße zum Thema. Nicht zu vergessen die reizvolle gestalterische Vielfalt und die erfrischend risikofreudige Formensprache, die nicht nur Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Schöpfer ist, sondern auch Beleg für geistige und formale Auseinandersetzung auf der Höhe der Zeit. So wie die Arbeit des Kolumbianers Nicolas Estrada, der die Gewehre der Milizen seiner Heimat in einer Brosche verarbeitet hat.
Zeitgenössisches Material


Unverzichtbar ist der angemessene Umgang mit zeitgenössischen Materialien. Wie bei jener Brosche aus Achat von Penka Arabova, einem dreidimensionalen abstrakten Objekt, bei dem der Klebstoff, bunt eingefärbt, architektonisches und gestalterisches Element ist. Herrlich anmutig kommt eine Kette daher, deren feine Ballons, die wie Blüten oder leere Fruchtstände wirken, aus dünner Plastikfolie gefertigt sind.
Vielseitig kombiniert werden Baumwolle, Stahl, PVC oder Aluminium. Die Studierenden aus Idar-Oberstein schlagen zudem eine Brücke in die Geschichte, hier speziell in die regionale.
In der zweiten Abteilung nehmen einige Studierende mit eigens dafür angefertigten Arbeiten Bezug auf Stücke der Dauerausstellung des Museums. Etwa auf die gezeigten Devotionalien, die Denise Ebert durch das Passionsbild der eigenen Kompressionswäsche ergänzt. Die Halskrause eines historischen Porträts verfeinert subtil die Chinesin Tianqi Li. Die raffinierteste Arbeit präsentiert Vanessa Zöller, die das Thema Schandmaske reflektiert. Ihre "Schandmaske" wird als Metallgestell mit Spiegel umgekehrt zur freiwilligen Zurschaustellung und Selbstbespiegelung nach Art zeitgeistiger Selfies. Eine unbedingt sehenswerte Schau. er
Bis 26. Februar, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Telefon: 0651 7181459, <%LINK auto="true" href="http://www.museum-trier.de" text="www.museum-trier.de" class="more"%>
Extra

Edles, Gewichtiges und Freches aus Metall und Edelstein
Foto: Eva-Maria Reuther (er), Anastasiya Larionova ("TV-Upload Reuther"

Zur Ausstellung "Neuer Schmuck aus Idar-Oberstein" gibt es ein Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Kinderlesung, einem Schmuck-Workshop sowie einem Wertmüll-Workshop, außerdem eine Filmreihe "Diamanten und Juwelen" im Broadway Filmtheater. Ein Highlight ist der Pop-Up-Shop mit Schmuckstücken der Studierenden, bei dem man schauen, stöbern und einkaufen kann (im Museum 3. und 4. Dezember, 10 bis 17 Uhr). er