Ehrung für eine Überlebende: Ursula Mamlok in Wittlich

Ehrung für eine Überlebende: Ursula Mamlok in Wittlich

Seit langem ist es in Wittlich Tradition, mit einem Konzert in der Synagoge den 9. November zu begehen. In diesem Jahr waren die von den Nationalsozialisten verfolgte Komponistin Ursula Mamlok und der Musiker Kolja Lessing zu Gast.

Wittlich. Schon viele Male ist der Musiker Kolja Lessing in Wittlich aufgetreten. Immer hatte er etwas in seinem Reisegepäck, das staunen ließ, dem das Prädikat des Außergewöhnlichen anhaftete. In Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Wittlich und dem Musikkreis hatte das Emil-Frank-Institut Lessing zusammen mit der Komponistin Ursula Mamlok in die Synagoge eingeladen, was den Abend an sich schon zu etwas Besonderem machte.
Mamlok wurde 1923 in Berlin geboren, und im Gegensatz zu ihren Großeltern, die in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet wurden, gelang ihren Eltern 1939 die Ausreise aus Nazideutschland. Über Ecuador kam sie nach New York und ließ sich dort an der Mannes School of Music ausbilden. Schon die Begegnung mit dieser geistig hellwachen Person, die trotz ihres hohen Alters immer noch komponiert und die 2006 aus den USA nach Berlin heimgekehrt ist, gab dem Abend einen ganz eigenen Reiz.
Hinzu kam die Interpretation ihrer Werke durch Lessing und seinen verlässlichen Partner Andreas Kersten am Klavier. Eingerahmt von der Serenade für Violine und Klavier, 1943 verfasst von Jerzy Fitelberg, und der Sonate G-Dur, Opus 78, von Johannes Brahms, standen drei beeindruckende Werke von Mamlok auf dem Programm. Neben "Designs - zwei Stücke für Violine und Klavier" aus dem Jahre 1962 waren dies "From my Garden" (1983) und "5 Aphorismen" (2009) für Violine solo. In der meisterhaften Interpretation von Lessing konnte das Publikum mit Musik Bekanntschaft machen, die es nicht verdient, in irgendwelchen Regalen zu verstauben.
Besonders die Aphorismen erwiesen sich als Miniaturen, die jede für sich einen aussagekräftigen und glänzenden Edelstein zeitgenössischer Musik darstellten. Sie zeigten, dass auch in der Gegenwart noch Musik geschrieben wird, die auf Experimente verzichten kann, ohne beliebig oder gar kopierend zu wirken. In Wittlich ist es gelungen, der Opfern des Holocaust zu gedenken, indem man einer Überlebenden die Ehre erwies. gkl

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