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Hetzerath
Eifel-Kulturtage 2018: Die Überraschung ist gelungen

Jens Neutag bei seinem Auftritt im Minderlittgener Bürgerhaus
Jens Neutag bei seinem Auftritt im Minderlittgener Bürgerhaus FOTO: Christoph Strouvelle / TV
Hetzerath. Politisches Kabarett, ein Heiland und ein Duo, das durch seine Mimik glänzt: Der Auftakt der Eifelkulturtage im Minderlittgener Bürgerhaus ist vielversprechend verlaufen. Von Christoph Strouvelle

Den Start beim Kabarett à la Surprise – die 170 Besucher haben erst während der Vorstellung erfahren, welche Künstler an diesem Abend auftreten – hat der Wuppertaler Jens Neutag bestritten. Sein Metier: politisches Kabarett auf der großen und auf der lokalen Ebene. Jamaika, die Merkel-Raute, Trump und die Waffenpolitik der USA: Ihm gelingt es, aus Bekanntem neue Aspekte hervorzulocken. „Wenn Lehrer bewaffnen, dann richtig. Dann bekommt das Wort Klassentreffen eine neue Bedeutung.“

Ganz anders ist der zweite Künstler des Abends, der Berliner C. Heiland. Mit einem andauernden Grinsen stimmt er auf seinem Omnichord, einem elektronischen Tasteninstrument aus den 1980ern, Lieder an, deren Inhalt grotesker nicht sein kann. Er ist entspannt, wenn der Nachbar Sex mit der Ex hat, sein Badezimmer anschließend voller Blut ist und der Nachbar vermisst wird. „Schlimm: Es ist kein Bier mehr da“, beschreibt er die eigentliche Katastrophe. Seine Vergangenheit als Psychiater („Dich kenne ich: Du bist Nummer 64 aus der Klinik“), Ponyreiten mit Giraffen oder der Sambazug nach Kiel – das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Herrlich sein rhetorisches Duell mit einem Lehrer im Publikum, das er gewinnt mit der Pointe „Guck an, was ich mache: Das nennt man Arbeit.“

Ist ein Türke mehr Europäer als ein Engländer, dessen Land den Brexit beschlossen hat? Herausragendes Element bei den rhetorischen Auseinandersetzungen des Briten Mike und dem Deutschtürken Aydin ist die Mimik der beiden Akteure. Die Gesichtszüge der beiden zu erleben beim Pflegen der gegenseitigen Vorurteile („Ihr Südländer seid doch alle gleich“ – „Ihr fahrt auf der falschen Straßenseite“) ist alleine das Eintrittsgeld dieses Abends wert. Der Türke, der vor Freude jeden küsst im Gegensatz zum zurückhaltenden Engländer, die deutsche Nationalhymne orientalisch getrommelt und gesungen („Dazu kannst du sogar Bauchtanzen“), die Vorurteile der Deutschen gegenüber fremden Nationalitäten („Tschechei, Lettland, Estland: alles Russen!“), die beiden bringen europäische Gegensätze humoristisch auf den Punkt. Wobei der Deutschtürke Aydin aufgrund seiner doppelten Nationalität klar im Vorteil ist: „Haben die Türken im Fußball jemals etwas gewonnen?“ „Nein, aber wir Deutschen waren viermal Weltmeister“, sagt er.

Rainer Laupichler, Geschäftsführer der Eifel-Kulturtage, ist ein super Einstand gelungen, der Lust macht auf mehr.

Weitere Infos gibt es unter www.eifel-kulturtage.de. Die Veranstaltung mit Hennes Bender am 2. Juni 2018 im Bürgerhaus in Faid ist wegen anderer Verpflichtungen des Künstlers abgesagt.