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Eifel-Literatur-Festival Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Preis Josef Zierden

Literatur : Ein geglücktes Experiment und ein Geldsegen

Günter Grass, Herta Müller, Alice Schwarzer, Peter Scholl-Latour – mehr als 250 AutorInnen hat Josef Zierden schon zu Lesungen in die Eifel gelockt. Für seine 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Gründer und Leiter des Eifel-Literatur-Festivals verleiht ihm die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in Bitburg nun ihren mit 10 000 Euro dotierten Kulturpreis.

Das Bundesverdienstkreuz hat Josef Zierden längst erhalten, den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz auch. Nun bekommt der Leiter des Eifel-Literatur-Festivals für sein 25-jähriges ehrenamtliches Engagement den Kulturpreis der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in Bitburg und freut sich riesig. Nicht nur, weil die Auszeichnung mit 10 000 Euro dotiert ist, sondern auch, weil sie in ihm einen Prümer ehrt und damit uralte Befindlichkeiten der rivalisierenden ehemaligen Eifel-Kreisstädte überwindet. Als er 2001 erstmals mit einer Festival-Veranstaltung nach Bitburg ging und Mario Adorf dorthin einlud, „da war das so was wie Verrat“, erinnert sich Zierden. „Das war für mich eine kleine Grenzüberschreitung.“ Doch seitdem er damit den Radius des 1994 gegründeten Festivals erweiterte und immer mehr gefragte und gefeierte Autoren in die Eifel holte, saß er regelmäßig auch auf der Bühne im prunkvollen Festsaal des Hauses Beda in Bitburg. Mittlerweile haben mehr als 100 000 Menschen das größte Literaturfestival des Landes besucht und die Lesungen und Podiumsgespräche von Schriftstellern und Publizisten, Nobelpreisträgern und Sachbuchautoren miterlebt.  Und so lobt die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung nun Zierdens „unermüdliches ehrenamtliches Engagement“ in 25 Jahren.

Gerade geht das aktuelle Festival zu Ende, das ganz stark geprägt ist von Corona – von Absagen, Umplanungen, Hygienekonzepten und dem ständigen Bangen, dass die lange erwarteten Autoren von Daniel Kehlmann bis Dörte Hansen tatsächlich kommen. Mürbe wirkt der Festivalchef nicht. Im Gegenteil. Für den pensionierten Deutschlehrer hat diese Auflage den Beweis erbracht, dass das Festival auch in abgespeckter Version eine Zukunft haben kann. Dass auch weit unterhalb von 24 Autorenlesungen ein Programm möglich ist, bei dem Besucher und Geldgeber mitmachen.  „Ich bin wunschlos glücklich“, verrät der 67-Jährige, dessen Erfolgsrezept der richtige Mix aus anspruchsvoller Literatur, Unterhaltung und Sachbuch-Auseinandersetzung ist. Er habe sich beim Festival alle großen Herzenswünsche erfüllen können, allen voran der Besuch von Literaturnobelpreisträger Günter Grass, um den Zierden 14 Jahre kämpfte. Herta Müller habe er seinerzeit diese Preiswürdigkeit prophezeit, bevor sie die Ehrung dann ein Jahr später bekam. Warum er so versessen auf die Einladung von Nobelpreisträgern sei? „Es ist die höchste Adelung des ländlichen Raums“, bekräftigt der Literatur-Enthusiast und promovierte Germanist, der selbst als sechstes Kind aus einer buchfernen Arbeiterfamilie stammt und die Lesungen „im Geiste für Leute wie meine  Mutter“ organisiert. „Ich möchte, dass die Besucher ein bisschen schlauer rauskommen als sie reingehen“, erklärt der Lehrer.

Gibt es ein Erfolgsrezept? „Kompetenz und Herzblut“, sagt Zierden selbstbewusst. Auf jeden Gast bereite er sich akribisch vor, erstelle gar einzelne Sachregister zu den Autorenwerken. Als kürzlich Jean-Luc Bannalec mit seinem zehnten Krimi in die verregnete Eifel kam, konnte der Gastgeber den Autor deshalb leicht mit einem Regen-Zitat aus dessen viertem Band verblüffen. Das Niveau mag mit dazu führen, dass Zierden für manche Lesung Zusagen erhält, wo andere Veranstalter in die Röhre schauen.

Dass nach den neun, überwiegend ausverkauften Lesungen 2021 mit einem Gesamtbudget von 130 000 Euro (inklusive Livestreaming von drei Veranstaltungen) Schluss ist mit dem Eifel-Literatur-Festival, wie Zierden es seit einer schweren Erkrankung 2016 mehrfach öffentlich in Aussicht gestellt hatte, ist offen, erscheint aber unwahrscheinlich. Die am nächsten Freitag zu Ende gehende „Kompakt-Ausgabe“ will Zierden erst noch analysieren und mit potenziellen Akteuren besprechen, bevor er entscheidet. Es gebe mehrere Optionen, versichert er. Die Preisverleihung im Rahmen der Lesung von Forstexperte Peter Wohlleben in der Bitburger Stadthalle dürfte den Beteiligten Rückenwind geben.