Eifel-Literatur-Festival zieht Rekordbilanz: Bekannte Autoren locken mehr als 14 000 Besucher ins Mittelgebirge.

Kultur : Lange Schlangen vor den Lesungen

Bekannte Autoren locken mehr als 14 000 Besucher ins Mittelgebirge. Ein Resümee des Eifel-Literatur-Festivals.

Josef Zierden ist anderer Meinung. Aber ganz anderer! Und er will auch nicht unwidersprochen lassen, was Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals, kürzlich in einem TV-Interview sagte: Alle Kulturveranstalter der Region müssten bemerken, dass es ein unglaubliches Überangebot gebe. „Der Markt ist satt, satt, satt“, hatte Scharfenberger gesagt und angekündigt, künftig stärker auf kleine, exklusive Formate mit besonderer Atmosphäre setzen zu wollen.

Zierden hingegen, der seit 24 Jahren das Eifel-Literatur-Festival organisiert, kann von Sättigung nichts spüren. 2000 Namen hätten dieses Jahr auf seiner Warteliste gestanden. 2000 Menschen, die hofften, noch Karten für Lesungen zu bekommen. 15 von 24 Veranstaltungen des Literaturfestivals seien ausverkauft gewesen. Und zwar sehr schnell. Gleich am ersten Verkaufstag seien 2500 Tickets weggegangen.

Ein Großteil der Besucher komme aus der Region Trier, aus Luxemburg, dem Saarland, Belgien und Nordrhein-Westfalen. Manche aber auch von weiter weg.„Blockbuster“ Sebastian Fitzek, der bekannte Thriller-Autor, füllte im Nu das 1500 Plätze bietende Eventum in Wittlich. Auch Benediktinerpater Anselm Grün, Politiker Gregor Gysi und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar gehörten zu den Rennern des Jahres 2018. Mit Gysi hätte er auch die Trierer Arena voll bekommen, glaubt Zierden.

Kleine Formate könne er sich ohnehin nicht leisten. Denn 50 Prozent des 300 000-Euro-Budgets  müsse er über den Ticketverkauf erwirtschaften. Zum Vergleich: Das Mosel Musikfestival soll ein Drittel seines Budgets (1,05 Millionen Euro) über Eintrittskarten reinholen, ein Drittel zahlen die Sponsoren, ein Drittel sind öffentliche Mittel.

Schnell wird Zierden fuchsig, wenn er darüber redet, wie viel Geld andere Festivals von der öffentlichen Hand bekommen. Da sei der 50 000-Euro-Landeszuschuss, den er erhalte, ein Schnäppchen. Gerade mal etwas mehr drei Euro lege das Land pro Besucher drauf. Bei anderen sei es deutlich mehr. Zudem mache er das alles ehrenamtlich und vom Zeitaufwand sei das – anders als mancher meine – kein „höheres Rasenmähen“. Geht es ums Geld, redet der 64-jährige Zierden sich zügig in Rage.

Doch zurück zum Festival. Warum kamen diesmal mit 14 000 Besuchern 2000 Leute mehr als 2016?

Ist es dem Umstand geschuldet, dass der ehemalige Lehrer das Festival erstmals nicht neben seinem Schuldienst, sondern im Ruhestand organisiert hat? „Ich habe meine Kunden gefragt und immer wieder die Rückmeldung bekommen, dass das Programm extra gut war.“ Der Mix aus Unterhaltung und Anspruch sei angekommen. Zudem hätten die Autoren eine „besonders tolle Performance“  geboten.

Die Bandbreite war groß: Mal philosophisch (Grün), mal physikalisch (Yogeshwar). Mal (auto)biographisch (Scheel/Zervakis), mal biologisch (Wohlleben). Mal zum Schlapplachen (Hacke/Weiler), mal zum Schlagfertig machen (Staudinger), mal zum Schlottern, Schluchzen oder Schmunzeln. Für viele war was dabei. Und wie immer hatte Zierden einen Heidenspaß daran, „dieses anarchische Autoren-Völkchen in so eine schwarze Region einzuladen“. Alice Schwarzer war schon da. Oder die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann. Und wer war das Enfant terrible des Jahres 2018? Da muss man erst einmal drauf kommen! Denn „was ist schon so schwierig am geheimen Leben der Bäume?“, fragt Zierden, der nach eigener Auskunft ordentlichen Gegenwind aus der Eifeler Forstwirtschaft bekam, weil er den försternden Erfolgsautor Peter Wohlleben eingeladen hatte. „Dieses Festival ist mein geistiger Freiraum“, sagt Zierden. Da rede ihm keiner rein.

Sebastian Fitzek,. Foto: TV/Andreas Feichtner
Elke Heidenreich ... Foto: dpa/Frank Leonhardt
... und Anselm Grün. Foto: g_kultur <g_kultur@volksfreund.de>+SEP+g_kultur <g_kultur@volksfreund.de>
Josef Zierden. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen

Noch ein ausverkaufter Abend steht an, ehe die Saison endet: Am 31. Oktober liest Stefan Aust im Bitburger Haus Beda – mit rund 250 Plätzen einer der kleineren Säle des Eifel-Literatur-Festivals. Und damit immer noch deutlich größer als jene Formate, die Scharfenberger anstrebt.