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Eifler Skulptur für eine Schweizer Skulpturenschau

Kultur : Eifler Skulptur für eine Schweizer Skulpturenschau

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Heute: Werner Bitzigeio

Everything is going to be alright“-alles wird gut. Was als Mutmacher derzeit über dem Hotel Quellenhof im Schweizer Kurort Bad Ragaz in großen Lettern prangt, mag als schöne Aussicht auch Werner Bitzigeio beim Durchhalten in Corona Zeiten geholfen haben. Wieso ausgerechnet der Ort im Sarganserland, vielen bekannt als „Heidiland“, nach der von dort stammenden Romanheldin von Johanna Spyri? Wo doch der Bildhauer zwar ein über die Grenzen umtriebiger, aber in der Eifel geborener und ansässiger Künstler ist. Der Kunst wegen natürlich. Einmal mehr hatte sich der in Winterspelt lebende Bildhauer für die Schweizerische Triennale der Skulptur Bad RagArtz beworben, eine alle drei Jahre ausgerichtete internationale Skulpturen-Ausstellung mit hart umkämpften Plätzen. Zuletzt hatte Bitzigeio dort den Schweizer Kunstpreis 2018 gewonnen. Auch in der 8. Ausgabe der Triennale ist der Rheinland-Pfälzer jetzt unter den aus 1500 Bewerbern ausgewählten 83 Künstlern, die in Bad Ragaz und im benachbarten Valens ihre insgesamt rund 400 Werke zeigen können. Ungestört und hochkonzentriert konnte der Bildhauer in den stillen Tagen des Lockdowns an seinem Beitrag für die eidgenössische Schau im heimischen Atelier arbeiten. Was Wunder, dass er jetzt resümiert: „Ich habe eigentlich wenig von der Pandemie gemerkt“. Zu sehen ist im Skulpturenpark der Triennale nun ein typischer „Bitzigeio“, soll heißen eine begehbare abstrakte Skulptur aus Stahlgittern, die sogar das Entzücken des für die Ostschweiz zuständigen St. Galler Tagblatts hervorrief. Wie gesagt ein typisches Werk des Eifler Meisters des stählernen Lineaments. Sind doch Bitzigeios Stahlkugeln, Quader und Dreiecke nichts anderes als im Gitterwerk organisierte, und in der geometrischen Form verräumlichte Linien. Deren Raum ist in seinen begehbaren Skulpturen, wie auch der in Bad Ragaz für Besucher immer neu zu erfahren, zu erobern und zu erforschen. “Ich lebe in der Linie“, sagt der Künstler. Das gilt auch für die 16 Zeichnungen, die er im Rahmen des rheinland-pfälzischen Corona Förderprogramms für Künstler „IM FOKUS – 6 PUNKTE FÜR DIE KULTUR“ erarbeitet hat. Sein „Wissen von der Pandemie“ hat er darin in der abstrakten Zeichensprache feiner Linien reflektiert. Übrigens: die neutralen Eidgenossen wissen zumindest in der Kunst dem pandemischen Abstandsgebot etwas Gutes abzugewinnen. „Distanz schärft den Blick“, heißt das Motto der Skulpturenschau. Wer sich Bitzigeios Skulptur in Bad Ragaz vor Ort anschauen will, kann das noch bis zum 31.Oktober tun. Kontakt: bitzigeio.com

Eva-Maria Reuther