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Ein Abend der Debüts

Ein Abend der Debüts

Die Trierer Theatersaison startet Schlag auf Schlag. Schon am Samstag steht die nächste Premiere an, mit Leonard Bernsteins Minioper "Trouble in Tahiti" im Forum, dem ehemaligen Franzosenkino. Sie bringt die spannende Begegnung mit zwei neuen Ensemble-Mitgliedern.

Trier. Zum Auftakt gleich eine Hauptrolle: Für Claudia Denise Beck könnte das erste Fest-Engagement ihrer jungen Karriere kaum besser beginnen. Noch steht die Abschlussprüfung an der Musikhochschule in Köln an, Trier war ihr erstes Vorsingen - und sofort hat es geklappt. Nun nimmt sie als Mezzosopranistin den Platz im Ensemble ein, den lange Eva-Maria Günschmann ausgefüllt hat.

Die 30-Jährige, die aus Bingen stammt, hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich: Vor zehn Jahren war sie noch bei der Kreisverwaltung, die Lebenszeit-Verbeamtung vor Augen. Dann stieg sie aus, machte das Abi nach und begann ihr Musikstudium. Zielpunkt: die Opernbühne. Wenn sie am Samstag die frustrierte Vorstadt-Ehefrau Dinah singt und spielt, hat sie den ersten großen Schritt zu ihrem Lebenstraum realisiert.

Carlos Aguirre, der die Rolle ihres Ehemanns Sam übernimmt, hat - wie der Zufall so spielt - eine ganz ähnliche Biografie. Er war studierter Psychologe mit Masterabschluss, bevor ihn das Theaterfieber packte. Der gebürtige Mexikaner begann sein Musikstudium in Colorado/USA, wechselte zur renommierten Hanns-Eisler-Musikschule in Berlin, blieb zwei Jahre im Studio der Rhein-Oper Straßburg und sang dann an der Syracuse-Opera in New York. Im Juli, nach einem Gastspiel in Kaiserslautern, bat ihn das Theater Trier zum Last-Minute-Vorsingen für die Stelle des kurzfristig wechselnden lyrischen Baritons Francis Bouyer. Schon war Aguirre engagiert.

Die beiden Neuen schwärmen unisono vom "tollen Arbeitsklima" und den "Super-Kollegen" in Trier. Bei "Trouble in Tahiti" sind das Joana Casper, Thomas Kiessling und Carsten Emmerich. Sie stellen eine Art Chor dar, der die häuslichen Abenteuer des in ehelicher Routine versinkenden Paars kommentiert. Casper gibt ebenfalls ihr Trier-Debüt, Emmerich singt sonst im Chor, Dirigent Ralf Erdelkamp verantwortet seine erste große Eigenproduktion. Einziger Routinier unter lauter "Rookies" ist der regelmäßige Trier-Gast Kiessling.

Die Handlung ist zwischen Boulevard und Psychodrama angesiedelt: Dinah trägt ihr Geld zum Psychiater, Sam wird immer einsilbiger. Man besitzt Kind und Haus, weiß aber nicht mehr, was man damit anfangen soll.

"Trouble in Tahiti" ist der Kino-Film, in dem man immer wieder landet. Ein Ort der Träume und der Fluchten. Leonard Bernstein hat dazu den musikalischen Mix aus Oper, Jazz, Swing und Musical komponiert, den man aus der West Side Story oder Candide kennt. Eine knappe Stunde dauert der kompakte Einakter, den Benedikt Borrmann inszeniert - sein "Figaro" ist noch in guter Erinnerung. Es geht turbulent und tempogeladen zu im ungewöhnlichen Ambiente des "Forum nuevo"-Clubs, wo das Publikum nur drei Meter von den Akteuren entfernt sitzt.

Es wird in deutscher Übersetzung gespielt. "A challenge", eine Herausforderung, nennt das Carlos Aguirre, dessen klangvoller Name übrigens kein Künstler-Pseudonym ist. Aber Herausforderungen gehören dazu, wenn man neu an einem Haus anfängt.

Vorstellungen: 2., 19., 22. Oktober; 23., 27., 28. November; 17., 18., 28. Dezember.