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Ein Abend der großen Gefühle

Ein Abend der großen Gefühle

Mehr als 110 Musiker unterhalten rekordverdächtige 3170 Zuschauer: Zum letzten Mal hat der Musikverein Trier-Pfalzel sein Publikum mit der Konzertreihe Hollywood Sounds begeistert. Unterstützt vom Kammerorchester des Trierer Angela-Merici-Gymnasiums entführte Dirigent Dirk Sinnig in ferne Galaxien und in die afrikanische Savanne - ein Abend voller Tragik und Emotionen - und mit Happy End.

Trier. Die Sonne erhebt sich über das geweihte Land. Scharen von Tieren laufen und fliegen über die afrikanische Savanne mit einem Ziel: dem Königsfelsen. Dort verneigen sich Elefanten wie Giraffen, Zebras wie Nashörner, um dem neu geborenen König zu huldigen: Der Musikverein (MV) Trier-Pfalzel spielte am Dienstag das letzte Konzert der Reihe Hollywood Sounds in der Arena Trier. Unterstützt wurde der Verein vom Kammerorchester des Angela-Merici-Gymnasiums (AMG).
Der gewaltige Orchesterapparat mit über 110 Musikern verstand es, Kindheitserinnerungen zu wecken und Emotionen zu erzeugen. Doch er belässt es nicht dabei. Sechs Schlagzeuger ergänzten das Medley aus "König der Löwen" mit einem eigens erarbeiteten Solo an den Percussions. Ohne Dirigent fanden die Musiker selbst in den Rhythmus, das Tempo und die Lautstärke, sprachen sich mit vielsagenden Blicken ab und strahlten dabei eine große Sicherheit aus.
Alfred Dickmann (64) aus Pfalzel beeindruckte das freie Solo besonders, da er selbst Percussions spielt: "Mich hat es in den Fingern gejuckt. Hinter dieser Leistung steht enorm viel Arbeit." Die Fäden hielt Dirigent Dirk Sinnig fest in seinen Händen. Er schaffte es, die Musik seines Orchesters punktgenau auf die parallel gezeigten Filmsequenzen zu setzen. Möglich war das nur durch die Flexibilität und Konzentration der Musiker, die sich an seinem Dirigat orientierten und damit ein großes Ganzes schafften. Das Orchester entführte die Zuschauer so in die Welt der Filme, dass jeder einzelne sich immer wieder neu daran erinnern musste, dass diese Musik live gespielt wird. Belohnt wurde diese Leistung mit rund 3170 Zuschauern - einem Besucherrekord.
Hinter actionreichen Filmen wie "The Rock" oder "Star Wars" nahm der MV Trier-Pfalzel auch Zeichentrick-Klassiker wie "Das Dschungelbuch" mit ins Programm. So tanzte auf der Leinwand der unbekümmerte Bär Balu ein Lied auf die Gemütlichkeit, und Affenkönig King Louie swingte seinen Wunsch, ein Mensch zu sein. Die Trompeter und Holzbläser hypnotisierten derweil als Riesenschlange Kaa das Publikum, das nicht in Schlaf fiel, sondern sich im Dschungel wähnte.Sehnsucht nach Robin Hood



Ein Gefühl von Hoffnung - und von Sehnsucht nach Robin Hood entstand durch Sängerin Miriam Cartarius, die die Ballade "Everything I Do, I Do It for You" mit weicher und klarer Stimme sang. Auch hier wirkte der Gesang nicht dominant, sondern eher als eine gleichberechtigte Stimme zu jeder anderen im Orchester. Das Besondere dieses Konzertes waren neben der Kombination aus Musik und Film viele Details, die erkennen ließen, wie viel Herzblut der Verein in diesen Abend investiert hatte. Bei einem eigens produzierten Vorspann kreisten Lichtpunkte durch den Zuschauerraum, die den New Yorker Broadway imitierten. Parallel zu den typischen Trompetenfanfaren aus "Star Wars" leuchteten viele kleine Sterne auf dem schwarzen Vorhang und versetzten das Publikum in ferne Galaxien.
Carolina Schmitt (18) aus Trier lobte das Konzept der Hollywood Sounds: "Egal, ob ich die Filme gesehen habe oder nicht, sie waren für mich verständlich. Die jeweilige Atmosphäre wurde auf den Punkt getroffen."
Maria (86) und Marianne Wirtz (52) aus Pfalzel waren ebenso begeistert: "Es ist Wahnsinn, wie viel Arbeit in diesem Konzert steckt. Vor allem die Kooperation mit den Streichern des AMG finden wir sensationell."
Trotz der Gefahren und Bedrohungen wollte der MV Trier-Pfalzel den Zuschauern bei keinem der Filme ein Happy End vorenthalten. In "Jurassic Park" erzeugten die Streicher eine ungewisse Stimmung, nirgends vor den ausgebrochenen Dinosauriern sicher zu sein. Doch endete die Sequenz schließlich mit dem schmerzhaften Blick Richard Attenboroughs, der gerettet ein letztes Mal auf sein gescheitertes Lebenswerk blickt.