Ein Abend der musikalischen Überraschungen

Trier · Seit 35 Jahren gibt es in Trier die Europäische Kunstakademie (EKA). Kein runder Geburtstag, aber Grund genug, mit einem Konzert zu feiern. Ein Abend, der in seinem Konzept perfekt zum Ort passte.

 Nicole Gafron gratuliert mit Gesang zum Akademie-Geburtstag. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Nicole Gafron gratuliert mit Gesang zum Akademie-Geburtstag. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Trier. Ein wenig wurde man an Modest Mussorgskys berühmte "Bilder einer Ausstellung" erinnert - bei dem, was der Komponist Joachim Reidenbach zusammen mit der Geigerin Claudia Kussmaul als Programm für das Festkonzert der Europäischen Kunstakademie (EKA) zusammengestellt hatte. Unter der Überschrift "KlangBilder" hatten die beiden eine klangliche Ausstellung mit Musik vom Frühbarock bis hin zur Jetztzeit konzipiert.
Ähnlich wie in einer Galerie wurden die knapp 100 Besucher an Heinrich Ignaz Franz Bibers "Sonata representativa" gleichermaßen vorbeigeführt wie am einsätzigen Streichquartett "Kleines Bild" von Hans Lohberg, dem vielleicht beeindruckendsten Werk des Abends. In seiner Einführung sagte Reidenbach: "Wie in einer Ausstellung der Bildenden Kunst muss der Hörer auch in diesem Konzert nicht mit jedem Werk etwas anfangen können. Was ich mir wünsche, ist, dass sie sich darauf einlassen."
Die erste Überraschung, die dieses Konzert zu bieten hatte, war die Entdeckung eines wundervollen Kammermusiksaales, der in dieser Form in Trier recht unbekannt sein dürfte. Ein Pfund, mit dem die EKA ruhig wuchern sollte. Kammermusiker wie Publikum würden es ihr danken.
Die zweite Überraschung war Lohbergs Streichquartett. Eine Komposition, die alles besitzt, was ein hörenswertes Werk bedarf. Lohberg, der 2011 gestorben ist, war Kapellmeister des gemeinsamen Theaters von Mönchengladbach und Krefeld. Wie seine Tochter Gabriele, Leiterin der EKA mitteilte, hat ihr Vater viel komponiert, das meiste ist aber unbekannt geblieben. Ein Schatz, den es wohl noch zu heben gilt.
In unterschiedlichsten Besetzungen erklangen in der EKA Werke von Johann Sebastian Bach (Bearbeitung von Joachim Reidenbach), Astor Piazzolla, Franz Schubert, Kurt Weill, Ortwin Feil und Nicole Gafron, wodurch ein stilistisch sehr weiter Bogen gespannt wurde, der für jeden Musikgeschmack etwas anbot.
Zu leiden hatte der Abend allerdings durch seine Länge. Alleine schon der erste Teil vor der Pause dauerte über 90 Minuten und wurde so für manch einen Zuhörer zu einer Geduldsprobe. Trotzdem wurde es zu einer würdigen Geburtstagsfeier, deren insgesamt 14 Akteure immer wieder mit herzlichem Applaus bedacht wurden.

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