Ein Anfang mit Versprechen auf Zukunft

Ein Anfang mit Versprechen auf Zukunft

Marco Krämer-Eis. Bitte wer? Wagen wir ein Klischee: Den Namen wird man sich merken müssen. Der gebürtige Gerolsteiner hat die erste Stufe zur Regie-Karriere erklommen - bei den Brüder-Grimm-Festspielen im hessischen Hanau.

Gregor Andreska und Mandy-Marie Mahrenholz in „Burning Love".Foto: Hendrik Nix. Foto: (g_kultur

Gerolstein/Hanau. "Burning Love" ist ein Song von Elvis Presley und der Titel eines Stücks von Fitzgerald Kusz. Beides hat viel miteinander zu tun, denn die Protagonisten Andi (18) und Anchi (17) lodern gemeinsam in jener brennenden, aussichtslosen Liebe bis zum bitteren Ende. Kusz schrieb das Jugenddrama 1984, es war ein Renner auf Studiobühnen und ist immer noch eine eindrucksvolle Etüde für junge Schauspieler.Und natürlich auch für junge Regisseure. Zu denen gehört seit dem Wochenende Marco Krämer-Eis. Der junge Mann, Jahrgang 1992, steht seit seinem dritten Lebensjahr auf der Bühne - und hat sie seitdem nicht mehr aus den Augen verloren. Schon im Kindergarten habe er Stücke selbst erfunden und aufgeführt, an seiner Schule, dem Gerolsteiner Sankt-Matthias-Gymnasium, "das Fehlen einer Theatergruppe durch Gründung einer eigenen beendet", erzählt er im Gespräch mit dem TV. In Trier hat er sich beim "Satiricon-Theater" engagiert, Plakate gestaltet und Hauptrollen übernommen, war bei den "Burgschauspielern Gerolstein" mit von der Partie, hat Lesetourneen inszeniert, war 2010 bei der Jubiläumsproduktion zum 25-jährigen- Bestehen der Tufa Trier beim Straßentheaterevent "Tufa.unlimited" dabei und hat - vermutlich eher nebenbei - das Abitur gemacht.Danach ging's dann sofort nach Frankfurt zum Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft als Haupt- und der Germanistik als Nebenfach. Was einem, in dessen Adern Theaterblut fließt, natürlich viel zu theoretisch erscheinen muss. Kaum hatte er in der Mainmetropole Fuß gefasst, suchte (und fand) er Kontakte zu Theatern im Umland - und erregte die Aufmerksamkeit von Frank-Lorenz Engel, dem Intendanten der Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau. Engel vertraute seinem Schützling gleich drei Mal hintereinander die Regieassistenz bei seinen Inszenierungen an ("Das Käthchen von Heilbronn" 2014, "Kabale und Liebe" 2015, "Was ihr wollt" 2016). Seither ist der Festspielleiter überzeugt: "Dieser ideenreiche junge Kollege hat's drauf." Und betraute Krämer-Eis mit seiner ersten Regiearbeit: "Burning Love".Nicht nur ein Debüt für den Regisseur, sondern auch der Auftakt zu einer neuen Reihe ("Junge Talente") und die Einweihung einer neuen Spielstätte (der Innenhof der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Wallonischen Kirche in Hanau). Zum ersten Mal dabei sind auch die jungen Schauspieler Gregor Andreska als kraftvoller, trotzig-hilfloser und rührend unbeholfener Teenager, der seine erste große Liebe durchleidet, und Mandy-Marie Mahrenholz, ein feenhaftes Wesen in knappem Top und noch knapperen Hotpants (Kostüme: Ulla Röhrs), das sich im zweiten Teil, nach einem komödiantischen Beginn, zu tragischer Größe steigert. Marco Krämer-Eis spornt sein Darstellerduo an zu (auch sängerischen und akrobatischen) Höchstleistungen auf einer zum Stahlgerüst reduzierten Autobahnbrücke, hinter deren weißen Leinwänden immer wieder die Silhouette des "Kings" aufstrahlt (Bühnenbild: Tobias Schunk, ebenfalls ein Debütant). Der Regisseur bereichert das Wortstück um zahlreiche Elvis-Songs, die Andreska (stimmlich nahe dran am Vorbild) mit rotzigem Charme vorträgt. Der einhellige Jubel des Publikums bestätigt: Dieses Mehrfach-Debüt ist rundum gelungen."Ich will Regisseur werden. Ich will die Bilder und Ideen in meinem Kopf an andere Menschen weitergeben, sie damit begeistern und von den uneingeschränkten Möglichkeiten profitieren", brennt Marco Krämer-Eis für seinen Beruf, den er nach seinem Bachelor, der im nächsten Jahr ansteht, mit Volldampf anzusteuern gedenkt. Die Feuerprobe hat er jedenfalls mit Glanz und Gloria bestanden.Und wie eingangs bereits vermerkt: Den Namen sollte man sich ruhig merken.Weitere Aufführungen: 27. und 30. 7.; 3. und 5. 8.; Karten: 06181/258555, 069/1340400; Weitere Informationen im Internet:festspiele.hanau.de

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