Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild

Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild

Eine ausgesprochen reizvolle Ausstellung zeigt derzeit das Amüseum in Saarburg. Dort setzt sich Rainer Tappeser buchstäblich mit dem Wort "Bild" auseinander.

Saarburg. Schrift-Bilder sind Zwitterwesen. "Schrift ist das niedergeschriebene Bild der Sprache, das Bild des Klangs": Was Kurt Schwitters, einer der Väter der in diesem Jahr 100 Jahre alten Dada-Bewegung, 1927 feststellte, ist nur eine Seite. Spätestens seit den Pop-Art-Bildern von Robert Indiana haben sich die Buchstabengefüge und -folgen auch als selbständige, von aller Lautmalerei befreite ästhetische Erscheinung emanzipiert.
Buchstäblich mit dem Wort "Bild" beschäftigt sich auch Rainer Tappeser in seiner Ausstellung im Saarburger Amüseum. Der Künstler, der heute in Deutschland und Frankreich lebt, lotet die ganz unterschiedlichen Möglichkeiten seines Wortbildes aus.
Tappeser ist 1941 in Düsseldorf geboren, in Dortmund und in Berlin hat er studiert. Schon als Kind habe er - so wird berichtet - den Wiederaufbau seiner zerstörten Heimatstadt mit Spannung verfolgt. Eben diese neue Freiheit, die aus Zerstörung und Neubeginn erwächst, macht sich Tappeser auch bei seinen Bild-Arbeiten zunutze, wenn er das Wortbild in Einzelteile zerlegt und zu einem neuen Ganzen zusammenfügt.
Mal geschieht das in der Fläche auf Leinwand oder Papier. Ein anderes Mal verräumlicht er die Lettern zu dreidimensionalen Wandobjekten oder zu Skulpturen. Dabei stellt er auch den Begriff "Bild" selbst zur Diskussion.
Tappesers Sprache verbindet abstrakte Malerei, konkrete Kunst und Pop Art. Einem Thema mit vielfältigen Variationen gleichen die Arbeiten des auch als Musiker aktiven Künstlers. Die fantasievollen Bildwerke sind ausgesprochen dynamisch, scheinbar grenzenlos. Ihren vielfältigen Klang erhalten sie durch die Farbe, die die Arbeiten ausdrucksvoll orchestriert.
Das Gefühl von Freiheit mag den passionierten Segelflieger Tappeser auch überkommen, wenn er hoch oben mit seinem Segler im Wortsinn über den Dingen schwebt und neue Linien zieht, während die Landschaft wie eine Patchworkarbeit unter ihm liegt und sich die Horizonte verschieben. "Horizont" hieß ursprünglich auch eine der Arbeiten aus der Bild-Reihe, die in Saarburg als Objekt wie ein unvollendetes Puzzle an der Wand hängt. Ausschnitte von Himmel und Wolken tun sich in diesem Werk auf, das gleichermaßen von der Unendlichkeit der Vorstellung wie der Begrenztheit der tatsächlichen Wahrnehmung berichtet.
Überhaupt gehört zum Schönsten der gezeigten Arbeiten, dass sie Künstler wie Betrachter Raum lassen und das Unfertige als Chance begreifen. Ausgesprochen eindrucksvoll verdichtet das Großformat im Eingangsbereich des Museums Tappesers Denken und Bildschöpfen zum großen Tableau.

Die Ausstellung ist bis 16. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag sowie Sonntag 11 bis 16 Uhr. Kontakt: Telefon 06581/928114, Homepage <%LINK auto="true" href="http://www.saarburg.eu" text="www.saarburg.eu" class="more"%>

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