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Ein bisschen Kastelruth ist überall

Ein bisschen Kastelruth ist überall

Beim Konzert der Spatzen wird die Südtiroler Bergwelt dem Trierer Publikum zur Heimat.

Trier "Heimat - ein großes Wort", so heißt es in einem Titel auf der aktuellen CD der Kastelruther Spatzen. Und die Südtiroler Heimat der Musiker ist bei ihrem Konzert in der Trierer Arena durchgängig präsent. Nicht nur in den Liedern, sondern auch auf der Videowand. Sattgrüne Wiesen, strahlend blauer Himmel, klare Bäche und steile Berge sind dort zu sehen.
Spätestens seit Filmen wie "Der Förster im Silberwald" gilt das Alpenpanorama weit über die Region hinaus als Sinnbild heimatlicher Idylle - obwohl es durchaus auch Heimatfilme aus anderen Regionen gab: "Grün ist die Heide" zum Beispiel oder auch "Moselfahrt aus Liebeskummer".
In der volkstümlichen Musik ist es ähnlich: Trotz "O Mosella" und Rennsteiglied knüpfen viele Interpreten an die alpenländische Tradition an.
"So richtig, wirklich gut, geht's uns in Kastelruth", das singen eben nicht nur die Musiker auf der Bühne, sondern auch die 1800 Gäste im Saal voller Inbrunst mit. Ein bisschen Kastelruth ist eben überall, auch an der Mosel - und an der Sauer. Von dort - aus Ralingen-Wintersdorf - stammen Marion Tombers und ihre drei Freundinnen, "Spatzenfans seit 18 Jahren", wie sie stolz betonen. Ihnen gefallen besonders die "Texte aus dem Leben", in denen jeder sich wiederfinden könne.
Texte, die Mut machen, wie "Ja, ich will" über ein Mädchen im Rollstuhl, das seine erste Liebe findet, die nachdenklich stimmen wie der Dauerbrenner "Eine weiße Rose", bei dem sich gegen Ende des Konzerts das Publikum vor der Bühne versammelt, und natürlich Texte, die von der Heimat handeln. Nicht immer von einer heilen Welt, sondern auch von den "Schatten überm Rosenhof", von verlorener Liebe, von zerstörtem Idyll. Einerseits ist Heimat etwas ganz Konkretes: Kastelruth als reales Dorf, in dem die Musiker zwischen ihren Tourneen Kraft tanken und jedes Jahr mit Tausenden Fans - darunter sind natürlich auch die Wintersdorfer Damen und einige Konzertbesucher mehr - das große Spatzenfest feiern. Andererseits ist Heimat auch Utopie, Sehnsucht nach einer heilen Welt, die es so vielleicht nie gab, die allenfalls in einer vergoldeten Erinnerung existiert.
Kastelruth als mythisch verklärter Ort - das ermöglicht es dem Publikum aus der Eifel, von der Mosel, aus dem Hunsrück sowie den zahlreichen Luxemburgern und Belgiern im Saal zumindest für drei Stunden sich in der Spatzenwelt heimisch zu fühlen, als Teil der großen "Spatzenfamilie".
Einfache Texte, einfache Melodien, bei den Kastelruther Spatzen ist das nichts, was als Vorwurf taugen würde. Im Gegenteil: So wie die Heimat das Gewohnte und Vertraute ist, das Geborgenheit und Gewissheit vermittelt, so bleiben auch die Spatzen seit Jahrzehnten ihrem Stil treu.
Das Publikum honoriert es mit zahlreichen Geschenken, reicht den Musikern Blumen und Schokolade auf die Bühne. Und es bekommt genau das, was es erwartet: eine Auszeit vom Alltag und einen Abend, bei dem es selbst in der Arena so heimelig und gemütlich zugeht wie bei einem Familienfest.
Der Titel der aktuellen CD wird da geradezu zu einer Verheißung: "Die Sonne scheint für alle".ERFOLGEICHE MUSIKER AUS DEN SüDTIROLER DOLOMITEN


Extra

(daj) 13 Mal haben die Kastelruth er Spatzen den Musikpreis "Echo" erhalten - nur Helene Fischer (16) wurde öfter ausgezeichnet. 11 Mal gab es die Krone der Volksmusik, unter anderem bei der ersten (1998) und der letzten (2012) Vergabe des Preises. Ihre erste CD hat die Gruppe 1983 veröffentlicht, der große Durchbruch gelang 1990 mit dem Gewinn des Grand Prix der Volksmusik ("Tränen passen nicht zu dir"). Mit "Die Sonne scheint für alle" haben die Südtiroler im September 2016 ihr 38. Album herausgebracht.