1. Region
  2. Kultur

Ein Dirigent mit Besenstiel - "Klassik um Elf" beschwingt

Ein Dirigent mit Besenstiel - "Klassik um Elf" beschwingt

Mit einem Konzert im Innenhof des Bischöflichen Priesterseminars hat das Philharmonische Orchester Trier seine sonntäglichen Matinee-Konzerte für diese Spielzeit abgeschlossen. Über 200 Zuschauer spendeten langen Applaus für das Bläser-Ensemble.

Trier. Ein Konzert wie ein erfrischender Apéritif am Sonntagmorgen; das ist der Anspruch, den das Philharmonische Orchester der Stadt Trier mit seiner Reihe "Klassik um Elf" erhebt. Die Erfüllung dessen gelingt bei der fünften und letzten Auflage der Spielzeit 2015/2016 besonders gut. Bei hochsommerlicher Hitze spielt der erste Kapellmeister Wouter Padberg mit seinem kompletten Bläser-Ensemble frisch und locker auf, wie eine frische und kühlende Brise schwingt die Musik durch den Innenhof des Bischöflichen Priesterseminars. Auf dem Programm stehen Renaissance, Barock und Klassik, namentlich die Komponisten Claude Gervaise (geboren um 1510) und Jean-Baptiste Lully (1632-1687). Gervaise wirkte als Gambist und Komponist am Pariser Hof des Königs Franz und schuf überwiegend populäre Tänze. Heiter und rhythmisch interpretiert Padberg die Musik. Lully, eigentlich Italiener, war Balletttänzer und Komponist am Hofe Ludwig XIV. und einer der Begründer der französischen Oper und des klassischen Orchester-Dirigates, bei dem der Dirigent vor dem Orchester stehend den Takt vorgibt. Padberg demonstriert dieses mit einem Besenstiel und hat damit die Lacher auf seiner Seite; Lully hatte sich mit seinem imposanten Taktstock einst so unglücklich auf den Fuß gehauen, dass er an den Folgen der Verletzung starb.
Auch bei Charles Gounods (1818-1893) Petite Symphonie bleiben die Musiker im gelassenen, heiteren Tonfall, die Akustik im Hof ist dafür vorzüglich geeignet. Die Nähe zu den Musikern trägt zur familiären Stimmung bei. Zum Abschluss präsentiert und erklärt Padberg - wieder mit Hilfe des Besens als Requisit - die Vertonung von Goethes "Zauberlehrling" durch Paul Dukas (1865-1935). Die Stimmungen und die Szenerie um den bemitleidenswerten Möchtegern-Zauberer fängt das Orchester formidabel ein und erntet großen Applaus von den 210 Zuschauern.
DT