1. Region
  2. Kultur

Ein Dirigent ohne Stock und Pult inmitten des Orchesters

Ein Dirigent ohne Stock und Pult inmitten des Orchesters

Beim 7. Sinfoniekonzert hat am Donnerstag der israelische Solo-Geiger Guy Braunstein mit Beethovens Violinkonzert für Begeisterungsstürme gesorgt. Das Sinfonische Orchester der Stadt Trier überzeugte mit luftiger Spielweise.

Trier. Die Trierer Sinfoniekonzerte haben sich zum Zugpferd des Stadttheaters entwickelt. Ein ausverkauftes Haus und frenetischer Jubel des Publikums zum Schluss bildeten auch den Rahmen der siebten Auflage dieser Spielzeit. Generalmusikdirektor Victor Puhl hatte wieder einmal eine Überraschung parat: Der 42-jährige Israeli Guy Braunstein hat 13 Jahre als Erster Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern gewirkt und ist nun als Solist mit seiner seltenen Ruggieri-Geige von 1679 in den Konzertsälen der Welt unterwegs. Er dirigiert die Trierer Philharmoniker und spielt selbst Beethovens Violinkonzert D-Dur, op 61.
Zunächst gibt es aber Mozarts Sinfonie Nr. 33 in B-Dur in kleiner, fast kammermusikalischer Besetzung. Und: Der Mann am Pult hat gar kein Pult. Und auch keinen Taktstock. So war es vor langer Zeit Sitte. Als "primus inter pares" steht er - leicht erhöht - inmitten des Orchesters, das er mit sparsamer Gestik sicher führt. Mozart hatte diese Sinfonie für kleinere Fürstenhöfe komponiert, die sich kein großes Orchester leisten konnten. Erfreulicherweise ist das in Trier nicht der Fall. Basierend auf der Homogenität des großen Orchesters haben Puhl und Braunstein mit Fagotten, Oboen, Hörnern, Violinen, Bratschen, Cellos und Kontrabässen eine Essenz destilliert, die vor Spielfreude strahlt und mit einer bezaubernden Transparenz und Luftigkeit musiziert.
Danach gibt es mit César Francks Sonate für Flöte und Klavier in A-Dur von 1886 "fin de siécle"-Musik par excellence. Melodische, fließende Musik in Allegro und Allegretto, die Gili Schwarzman, Braunsteins Ehefrau, als Solistin virtuos darbietet. Allein, hier fehlt ein wenig die Abstimmung der Tempi zwischen Solistin und Orchester.
Ganz große Musik dann nach der Pause: Bei Ludwig van Beethovens einzigem Violinkonzert D-Dur, op. 61, wird das Orchester um Pauke, Trompete und Klarinette ergänzt; Guy Braunstein glänzt als Solo-Geiger und führt - quasi nebenher - das Dirigat.
Er steht inmitten des Orchesters, seine Soli ergeben sich ganz natürlich aus dem Zusammenspiel. Wenn er ganz allein, dem Publikum zugewandt, spielt, herrscht atemlose Spannung ob seiner irren Kadenzen. Edle Hochklassik, die sich aber nie in technischen Mätzchen verliert. Da stimmt alles, die Spannung löst sich nach dem letzten Akkord in stehenden Ovationen der 620 Zuschauer. DT