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Ein einsamer Wolf spielt den General

Ein einsamer Wolf spielt den General

WITTLICH. Der "Alte" aus dem "Boot" kommt. Am 23. November um 20 Uhr ist Jürgen Prochnow mit "Brisante Erinnerungen" im Wittlicher Atrium zu Gast. Vorab sprach der Weltstar mit dem Trierischen Volksfreund .

"Nein", lacht er, "die Art Erinnerungen wie in meiner neuen Rolle habe ich sicher nicht. Aber wahrscheinlich gibt es in jedem Leben Charmantes, auf das man zurückgreifen kann." Mehr verrät Jürgen Prochnow nicht, denn schließlich weiß der Mann von Welt, dass, wer genießt, anschließend den Mund zu halten hat. Weniger schweigsam - was Pikantes aus der Vergangenheit angeht - ist der Weltstar in dem englischen Thriller, mit dem er derzeit zusammen mit der Münchner Schaubühne und seiner Kollegin Anna Magdalena Fitzi durch die Republik tourt. Allerhand Leichen - sprich "Brisante Erinnerungen" - haben der amerikanische Vier-Sterne-General Jack, den Prochnow spielt, und seine ehemalige Freundin Polly im Keller. Genau das ist der Stoff, aus dem ein unterhaltsames wie spannendes Stück wird, wie es Autor Ben Elton verfasst hat. Die Geschichte hat übrigens einen wahren Hintergrund. Sage und schreibe 19 Jahre lang hatte in den 80er Jahren in Südwales eine Gruppe englischer Frauen gegen die Lagerung amerikanischer Atomsprengköpfe protestiert. "Das muss man sich mal vorstellen", sagt Prochnow, "die Frauen haben fast zwei Jahrzehnte in Dreck und Krankheit vor den Sicherheitszäunen der Amerikaner gelebt, um den Abzug der Waffen zu erzwingen". Gegensätze reizen Prochnow

Vor allem die Begegnung zweier so gegensätzlicher Welten wie jener "Linken, die für den Frieden kämpft", und der waffenstrotzenden "Rechten" des Generals habe ihn an dem Stück gereizt, berichtet der Schauspieler. Und natürlich der angelsächsische Witz: "Das Stück ist in einen bitteren Humor verpackt, wie er in Deutschland selten zu finden ist. Da ist alles meistens todernst." Die tristen Seiten des eigenen Lebens mit Humor zu nehmen, fällt dem gebürtigen Berliner dann doch nicht so leicht. "Wenn einem das gelingt, ist das eine großartige menschliche Haltung. Ich weiß nicht, ob ich dazu immer in der Lage bin". Publikum und Regisseure lieben den 62-jährigen Mimen ohnehin eher als einsamen Wolf. Ganz sicher ist der Wahlamerikaner ein politischer Mensch. Sorgen macht sich der seit 20 Jahren in Los Angeles lebende Schauspieler um das politische Klima in USA. "Für mich ist es ganz deprimierend, dieses Umschwenken der Medien von Clinton auf Bush zu erleben. Unter Clinton war alles toleranter und großzügiger." Überhaupt sei es schwierig, sich gut zu informieren. "Man hat nun mal nicht die Vielfalt wie hier." Weshalb Prochnow denn auch regelmäßig deutsche Zeitungen im Internet liest oder BBC World Fernsehen sieht. Und wie findet er seinen neuen Gouverneur Arnie Schwarzenegger? "Ich bin begeistert, ha,ha,ha", und da zeigt sich, dass Prochnow doch schwarzen Humor hat. Das legendäre "Boot" bleibt auch für ihn sein Film der Filme. Dass der neue "Baltic Storm" eher ein Misserfolg ist, schmerzt den Schauspieler. "Ich habe an diesen Film geglaubt und Jahre ausgehalten, um ihn überhaupt machen zu können. So einen "independent movie" zu finanzieren, sei nun mal "wahnsinnig schwierig." Da hat es das Theater in gewissem Sinn leichter. Und überhaupt findet der ausgewiesene Theatermann: "Wenn man den direkten Kontakt zum Publikum hat und auf der Bühne eine Rolle ganz durchspielen kann, ist das für einen Schauspieler ein wesentlich stärkeres Erlebnis, als vor der Kamera zu stehen und nur in die schwarze Linse zu spielen". Das warme Kalifornien hat Prochnow mit den Jahren lieben gelernt. "Man kommuniziert besser. Man ist nicht so eingeschlossen in Kleidung und Wohnungen". Und seinen Lieblingssportarten Tennis und Rollerbladen kann er dort auch jeden Tag frönen. Einen Koffer in Berlin hat Prochnow trotzdem noch. Ob er irgendwann wieder ganz zurückkommt? "Der Gedanke ist in mir. Im Augenblick kann ich mir das allerdings noch nicht vorstellen."