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Ein Fest der Klangfarben

Ein Fest der Klangfarben

Geschätzte zwei Dutzend Musikfreunde mussten draußen bleiben, weil alle Karten verkauft waren. Wer Glück hatte oder ein Abonnement, erlebte im 3. Trierer Sinfoniekonzert ein begeisterndes Zusammenspiel von Ausdruck und Klangfantasie.

Trier. Es hatte vielleicht zu tun mit der Live-Situation: Bei Peter Bruns schlich sich nach dem Solo-Einstieg in Antonin Dvoraks Cellokonzert ein Grauschleier des Vagen ein. Aber nachdem die Anfangs-Tubulenzen erst einmal vorbei waren - da entfalteten sich Klang- und Spielästhetik des angesehenen Cellisten aufs Schönste. Peter Bruns kommt ohne angestrengte Sonorität, ohne forcierte Tiefe und ohne enges Vibrato in den hohen Lagen aus. Sein Cello singt - hell, weich, klangflexibel, dabei tragfähig im Ton und souverän in den zahlreichen, schwierigen Doppel- und Dreifachgriff-Passagen. Victor Puhl setzte dazu mit seinen Philharmonikern eigene Akzente - am eindrucksvollsten im Sprung aus der G-Dur-Beschaulichkeit zu Beginn des Mittelsatzes ins tragische g-Moll. Und wenn das Cello, die präsenten Holzbläser und das weich-klangfüllige Horntrio miteinander korrespondieren, dann entfaltet sich die theaternahe und fast impressionistische Klangfarbenwelt in diesem Cellokonzert. Der Andante-Abschnitt gegen Ende - welch ein sensibel austariertes, vielfarbiges Miteinander von Solo-Cello, den Holzbläsern, den gedämpften Trompeten, dem ersten Horn!
Es war ein Fest der Klangfarben, dieses 3. Sinfoniekonzert, auch bei der Zweiten von Johannes Brahms. Erneut stellten sich die Bläser ins Zentrum - gleich zu Beginn in der gut ausgehörten, fragilen Kombination von zwei Hörnern und zwei Fagotten. Und dann singen sich Flöte, Klarinette, Oboe aus, Solo-Hornistin Renate Wege vollbringt Glanztaten, Trompeten und schweres Blech setzen mal brillante, mal düster-geheimnisvolle Akzente. Immer wieder, auch im kompakteren Finale, tun sich neue Klänge auf, gelingen die Übergänge perfekt.
Victor Puhl setzte zudem nicht einseitig auf Stringenz, sondern entfaltete die enorme Spannweite dieser Sinfonie - zwischen Gelassenheit und Auftrumpfen, zwischen liedhafter Melodienfreude und komplexer Vielstimmigkeit. Ein herrlich reicher, ein vielschichtiger Brahms! Im Publikum häuften sich die Jubelrufe. Die Begeisterung setzte sich bis in die Tiefgarage fort: "großartig, wunderbar, fantastisch". Triers Philharmoniker und ihr Chef haben neue Freunde gefunden.