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"Ein Gebäude samt Verwaltung ist zu wenig"

"Ein Gebäude samt Verwaltung ist zu wenig"

Wie geht es weiter mit dem Theater in Zeiten klammer öffentlicher Kassen? Die Diskussion läuft. Der TV hat zehn Gastautoren gebeten, ihre Ideen und Vorschläge zur Zukunft des Hauses zu notieren. Heute: Suse Bauschmid.

Zugegeben, ich bin befangen, mir liegt am Stadttheater und seinem Ensemble. Kunst und Kultur halte ich nicht für Luxus, sondern für notwendig. Kino und CDs reichen mir nicht, denn ihnen fehlt, was eine Live-Vorstellung einzigartig macht: Risiko und Unwiederholbarkeit.
Schauspiel und Musik bekommen durch unmittelbare Gegenwart eine besondere Wirkung. Doch Präsenzeffekte stellen sich nicht nur im Theater- oder Konzertsaal ein: Wenn Stadt und Theater über Personen, Projekte und Themen in vielfältiger Beziehung stehen, haben sie mehr voneinander.
Ein in seiner Alltagsarbeit anwesendes Theater kann seinem Bildungsauftrag besser gerecht werden, etwa durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen. Es wäre ein Verlust mit Folgeschäden, bliebe nur ein Gebäude samt Verwaltung übrig, wärend die Kunst mit ihren Inhalten aus jenen Städten importiert würde, die sich noch feste Ensembles leisten.
Natürlich hängt es am Geld. Im Vorstand des Spee-Chors erlebe ich in aller Deutlichkeit, dass Kunst kostet. Manche Veranstaltungen sind nicht durch Eintrittskarten zu finanzieren. Deswegen braucht Oper Förderung. Deswegen verkaufen Kinos Popcorn. Deswegen sucht ein Chor Sponsoren, will er ein großes Werk mit Orchester präsentieren. Dabei gilt: Geldmangel tut der Kreativität nicht grundsätzlich gut; Neues entsteht nur, wenn man Ideen auch realisieren kann.
Geld für Kultur gibt es aus öffentlichen Fördertöpfen oder von Wirtschaftsunternehmen. Es stammt also vom Steuerzahler oder von Menschen, die für ein Produkt soviel zahlen, dass ein Unternehmen etwas übrig hat für Spenden und Sponsoring. Der Unterschied ist geringer, als es zunächst aussehen mag. In beiden Fällen werden die Kosten auf eine Allgemeinheit umgelegt, die nur indirekt beeinflusst, wofür "ihr Geld" ausgegeben wird, und die das von ihr finanzierte Angebot vielleicht nicht einmal nutzt.
Die Trierer Chöre haben zudem ein vitales Interesse am Erhalt des Orchesters: Als Konzertveranstalter brauchen wir diesen gut eingespielten Klangkörper (nicht für lau, wir zahlen die übliche Gage). Seine Präsenz vor Ort hat für unsere eigeninitiative, ehrenamtliche Arbeit ganz praktische Vorteile: Gemeinsame Proben sind günstiger zu organisieren, wenn nicht Zeit und Geld auf Anfahrten verwendet werden müssen. Einander zu kennen macht die Musik schöner. Freie Kulturträger gewinnen Handlungsspielraum, gibt es eine hinreichend dichte, bewegliche öffentliche Infrastruktur. Wenn wir Kunst und Kultur, weil sie "nützt und erfreut", als gesellschaftliche Aufgabe verstehen, muss sie finanziert werden. Das geht nur gemeinschaftlich. Über die konkrete Gestaltung ist zu reden - mit dem Ziel eines präsenten Stadttheaters.Extra

Suse Bauschmid wurde kürzlich zur Vorsitzenden des Friedrich-Spee-Chors, einem der großen Trierer Konzertchöre, gewählt. Die 44-jährige Lehrbeauftragte an der Uni gehört dem Chor seit fast einem Jahrzehnt als aktives Mitglied an. DiL