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Ein glänzender, transparenter Lobgesang

Ein glänzender, transparenter Lobgesang

Wieviel Freude die Musik von Johann Sebastian Bach zur Weihnachtszeit bereiten kann, hat der Trierer Bachchor mit dem Ensemble L’Arpa Festante und den Solisten auf eindrucksvolle Art und Weise bewiesen. Über 1000 Zuschauer spendeten stehend Applaus.

Trier. "Jauchzet, Frohlocket!", das sind die berühmten ersten Worte aus Bachs Weihnachtsoratorium von 1734. Und genau dieses Gefühl vermochten die ausführenden Künstler am Mittwochabend in der stimmungsvoll erleuchteten Trierer Konstantin-Basilika vermitteln.
Kantor mit sensiblen Händen


Ein Quell der Freude und Ruhe inmitten der hektischen und in diesem Jahr auch, durch den Berliner Anschlag und die Kriegs-Katastrophe im syrischen Aleppo, trauervollen Vorweihnachtszeit. Hausherr Pfarrer Müller (Veranstalter ist die evangelische Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Moselmusikfestival) erbat deshalb vor dem Konzert einen Augenblick der Stille, kein einziger Laut war dann auch von den 1000 Besuchern zu vernehmen. Die rund 60 Sänger und Sängerinnen des erfrischend verjüngten Trierer Bachchores, das formidable Münchner Barockorchester L'Arpa Festante, sowie die vier Gesangssolisten (Siri Thornhill/Sopran, Marion Eckstein/Alt, Hansjörg Mammel/Tenor und Raimund Nolte/Bass) brachten dann die Kantaten I-III des Oratoriums und als Intermezzo Bachs Orchestersuite Nr.3 in D-Dur zu Gehör. Die musikalische Leitung des Abends lag in den sensiblen Händen von Kantor Martin Brambauer, der nicht nur an der Orgel zu glänzen vermag, sondern sich auch wieder als ein fantastischer Dirigent erweist. Von Anfang an hält er die Zügel stringent gespannt und das große Ensemble beisammen. Eine sehr gutes Gespür beweist er bei der Auswahl der durchgängig bravourösen Solisten: Marion Eckstein findet nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr in ihre Partie und erzeugt in Kantate II und III -vor allem im Duett mit der Violine- Gänsehaut bei den Zuschauern.
Raimund Noltes Bass-Bariton überzeugt durch Klarheit und Strahlkraft. Herausragend der Sopran der Norwegerin Siri Thornhill, glockenklar und bestens verständlich transportiert sie die große Emotion. Hansjörg Mammel überzeugt trotz kleinerer Wackler als Evangelist unter schwierigen Bedingungen in der Basilika.
Mit diesen Bedingungen kämpft auch das Orchester mit seinen historischen Instrumenten, trotz Kälte, Zugluft und Feuchtigkeit meistern sie das Konzert jedoch äußerst professionell. Als Brambauer zu Beginn ein forciertes Tempo anschlägt, folgen sie mit einer eindrucksvollen Dezenz. Zart, fast zurückhaltend ist ihr Spiel auch in der Orchestersuite mit den transzendenten Streichern im sphärischen Air und den differenzierten Trompeten der Ouvertüre, denen auch die leisen Töne auf ihren historischen Instrumenten gelingen. Perfekt das Zusammenspiel mit dem zu großer Form auflaufenden Bachchor. Die freudige Stimmung kommt noch in der letzten Reihe an, nicht nur jeder Ton sitzt, sondern auch die Emotion reißt mit.
Insgesamt eine feinfühlig musizierte und transparent gesungene Interpretation des Bach' - schen Weihnachtsoratoriums, das sich den langanhaltenden, stehenden Applaus der Zuschauer verdient hat.