1. Region
  2. Kultur

Ein Grandseigneur aus Belgien

Ein Grandseigneur aus Belgien

Mit dem Bassisten Nick Herbosch ist eine Institution des Trierer Theaters gestorben. Zwei Jahrzehnte setzte der gebürtige Antwerpener am Trierer Haus vielfältige Akzente in Oper, Operette und Musical.

Trier. Er strahlte stets etwas Nobles aus. Nicht nur, weil seine Sprechstimme seinem Gesang in Sachen Sonorität und Wohlklang um nichts nachstand. Nick Herbosch fehlte alles Dröhnende, mit dem sich Bässe bisweilen bewaffnen. Was sich über seine Rollengestaltung sagen ließ, galt auch für den Menschen: Er wirkte ruhig, fast filigran, oft eindringlich, aber nie aufdringlich.

Dass er in seiner flämischen Heimat nicht nur Gesang, sondern auch Schauspiel studiert hatte, machte ihn zu einem für Opernsänger außergewöhnlich überzeugenden Darsteller. Bemerkenswert seine Vielfalt: Er verlieh dem Großinquisitor in "Don Carlos" bedrohliche Statur, ließ als jüdischer KZ-Geiger im zeitgenössischen Musiktheater "Trough Roses" das Publikum den Atem anhalten, erwies sich mit der Rolle des Dr. Scott in der "Rocky Horror Show" als begnadeter Komiker und setzte sich mit dem Tevje in "Anatevka" 1995 ein Denkmal als Menscheninterpret. Was nicht zuletzt die vielen Pausengespräche anlässlich der Premiere der neuen Trierer "Anatevka"-Produktion dieser Spielzeit dokumentierten, bei denen etliche Zuschauer in Erinnerungen schwelgten.

Anfang der 80er Jahre war Herbosch nach Trier gekommen, als klassischer seriöser Bass. Doch schon nach wenigen Jahren warf ihn ein schwerer Herzinfarkt aus der Bahn - Auftakt zu einer langen Krankengeschichte, die seine Theater-Karriere immer wieder infrage stellte.

Nick Herbosch kam zurück, und er machte keine halben Sachen. Mehr als 100 Rollen verzeichnete er, bis er 1999 seinen Status als Ensemble-Mitglied zurückgab, wieder von gesundheitlichen Problemen geplagt. Da hatte man ihn längst mit dem Titel "Kammersänger" geehrt, und für die Trierer Theaterbesucher war er zum unumstrittenen Publikumsliebling geworden.

So weit seine Gesundheit es zuließ und man ihn fragte, kam er gerne auf kleine Abstecher zurück. 2006 drückte er der "Czardasfürstin" noch einmal seinen Stempel auf - wenn er sich auch auf eine Sprechrolle beschränken musste. Die Reminiszenz an alte Zeiten, mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Ferry Seidl, machte ihm riesigen Spaß - auch wenn er die erfolgreiche Aufführungsserie gesundheitsbedingt unterbrechen musste.

Der Bühne blieb er trotzdem treu, auch in der kleinsten Form. Im vergangenen Herbst gestaltete er mit István und Lucia Dénes eine musikalische Hommage an Wilhelm Busch - es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt in Trier werden.

Dieter Lintz