1. Region
  2. Kultur

"Ein gutes Zirkusprogramm wird immer überleben"

"Ein gutes Zirkusprogramm wird immer überleben"

Der Große Russische Staatscircus gastiert von heute an mit seiner neuen Show in Trier. Auch der weltberühmte Clown Oleg Popov wird wieder in der Manege stehen. Im Gespräch mit dem TV verrät der 79-Jährige, wie er zu seinem Kostüm kam und wie es um die Zukunft des Zirkus bestellt ist.

Trier. (hsc) Karierte Mütze, gelbe Perücke, rote Nase - so strahlt Oleg Popov die Menschen auf großen Werbeplakaten für den Zirkus an. Seit 60 Jahren steht der melancholische Clown in der Manege - und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Mit Oleg Popov sprach TV-Redaktionsmitglied Hannah Schmitt.

Sie haben ursprünglich den Beruf des Schlossers erlernt. Wie sind Sie zum Zirkus gekommen?

Oleg Popov: Es waren schwere Zeiten in meiner Kindheit in der Sowjetunion. Deshalb habe ich mit 14 Jahren gleich nach der Schule eine Schlosserlehre gemacht. Ich habe aber den Sport und auch die Akrobatik schon immer geliebt und hatte viele Freunde, die Akrobatik gemacht haben. Die haben mich eingeladen, mit ihnen zu proben. So bin ich zur Zirkusschule gekommen.

Die karierte Mütze zählt zu Ihren charakteristischen Merkmalen. Gibt es eine besondere Geschichte, die hinter Ihrem Kostüm steht?

Popov: Ich hatte anfangs viele verschiedene Kostüme und Mützen. Aber manchmal spielt das Schicksal eine große Rolle. Bei Filmaufnahmen hatten wir einen Drehtag am Strand. Jeder Schauspieler sollte sich ein Kostüm aussuchen. Ich bin in eine große Kammer voller Hüte und Mützen gegangen und habe nach Kopfbedeckungen geschaut. Direkt vor meiner Nase lag diese Mütze, die mich bis heute begleitet. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.

Tragen Sie heute immer noch dieselbe Mütze wie damals?

Popov: Nein, es gab viele Mützen, die danach kamen.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Auftritte?

Popov: Aus meinem Kopf. Ich schaue aber natürlich auch auf das Leben, auf die Menschen. Wenn man genau beobachtet, gibt es manchmal Dinge, die man dann verwenden kann.

Sind Sie noch aufgeregt vor Ihren Auftritten?

Popov: Es gibt keinen guten Artisten, der nicht zumindest ein bisschen Lampenfieber hätte. Ein Student hat ja auch Lampenfieber vor einer Prüfung und sein Professor mit ihm. So ist es bei mir auch immer noch, obwohl ich schon so lange auftrete.

Bewundert das Publikum heute die Clowns noch?

Popov: Es gibt ganz verschiedene Zuschauer. Jeder hat einen eigenen Charakter, manche staunen noch, andere nicht mehr.

Haben die Zuschauer denn heute andere Erwartungen an einen Clown?

Popov: Das Publikum möchte erheitert und berührt werden. Die einzelnen Clowns sind sehr verschieden, und ihr Humor ist sehr unterschiedlich. Aber die Erwartungen beim Publikum sind immer noch die gleichen.

Sie sind einer der bekanntesten Clowns der Welt. Haben Clowns heutzutage noch die Chance, so berühmt zu werden?

Popov: Die Chance hat jeder in seinem Leben. Es ist aber wichtig, dass man seinen Beruf sehr liebt und keine Mühen scheut.

Wie haben sich der Zirkus und der Clown Popov im Laufe der Zeit verändert?

Popov: Der Zirkus sollte immer mit der Zeit gehen. Es ist wie beim Theater, dem Kino und der Musik so, dass man mit der Mode gehen muss. Natürlich verändern sich mit den Jahren auch ein Mensch und sein Stil. Bei mir ist die Veränderung aber nur unmerklich. Das sehen Sie auf den Fotos von damals und heute.

Hat der Zirkus noch eine Zukunft?

Popov: Ich denke, es gibt mit den ganzen Medien wie Computern und Fernsehen viel Konkurrenz für den Zirkus. Aber ein gutes Zirkusprogramm wird immer überleben.

Wie lange wollen Sie noch in der Manege stehen?

Popov: So viel und so lange der liebe Gott mir noch gibt. Man sollte sich immer positive Gedanken machen und vorwärts denken, nicht rückwärts. Und man sollte sich keine Gedanken machen, wann man aufhört oder stirbt.

Was möchten Sie den TV-Lesern mit auf den Weg geben?

Das Lächeln. Und sie sollten immer optimistisch in die Zukunft schauen, auch wenn es manchmal schwarz aussieht auf der Welt. EXTRA Vorstellungen: Premiere des Russischen Staatscircus im Messepark Trier ist am heutigen Mittwoch um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen sind von Donnerstag, 6. Mai, bis Samstag, 8. Mai, jeweils um 16 und 19.30 Uhr; Sonntag, 9. Mai, um 11 und 14.30 Uhr. Kartenvorverkauf in den TV-Service-Centern Bitburg, Wittlich und Trier. (hsc)