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Ein Hauch von Klasse

Ein Hauch von Klasse

TRIER. Zum zweiten Mal lud das Theater zu einer festlichen "Spielzeit-Gala" mit einem Querschnitt durchs Programm ein. Die Resonanz blieb diesmal deutlich hinter den Erwartungen zurück - das künstlerische Angebot nicht.

Der Star des Abends war ohne Frage Klaus Michael Nix (Foto: TV-Archiv). Nicht nur weil er die von der Gesellschaft der Theaterfreunde gestiftete Theatermaske samt stolzer Dotierung von 1000 Euro entgegennehmen durfte, sondern weil der Schauspieler sich mit einer fast das Philophische streifenden Rede bedankte und obendrein einen wunderbaren Ausschnitt aus dem Musical "Black Rider" zelebrierte. Man hätte ihm und seinen Mitstreitern an diesem Abend mehr Publikum gewünscht als jene 150, die sich im großen Theatersaal verloren. Die 450 Zuschauer, die noch hineingepasst hätten, versäumten einen spannenden, genussvollen Abend, der ein breites künstlerisches Spektrum präsentierte. Für besondere Aufmerksamkeit sorgten dabei drei Gäste aus Saarbrücken: Frank Nimsgern, Aino Laos und Hendrik Wager präsentierten Auszüge aus dem Nimsgern-Musical "Paradise of pain" und ließen dabei einen Hauch von musikalischer Weltklasse durch das Trierer Haus ziehen. Laos/Wager erwiesen sich als begnadetes Musical-Sänger-Duo. Wenn die Trierer Version annähernd diese Qualität bietet, wird das Musical, das im Januar startet, ein Knaller. Da mochte das Trierer Ensemble nicht nachstehen. Besonders Eric Riegers intensives "Una furtiva lagrima" und Eva-Maria Günschmanns "Carmen" ließen dem Publikum das Wasser im Mund zusammenlaufen, ebenso wie der live auf der Bühne von Starkoch Peter Schmalen gebrutzelte Vorgeschmack auf das kulinarische Angebot, das demnächst zur Oper "Liebestrank" und zum Schauspiel "Diener zweier Herren" gereicht werden soll. Ein großes musikalisches Menü verspricht auch die Händel-Oper "Alcina" zu werden, jedenfalls, wenn man nach dem Appetithappen geht, den Annette Johansson in Form der Arie "Mi restano le lagrime" servierte. Auch Evelyn Czesla, Gor Arsenian, Peter Koppelmann, Juri Zinovenko und Andreas Scheel warben engagiert für das Theaterprogramm, unterstützt vom Chor und dem Orchester, das seine komplette musikalische Leitung aufbot. Zum Finale hatte man gar eigens die "Berliner Luft" in ein Jubiläums-Ständchen für Generalmusikdirektor Istvan Dénes umgedichtet, der dieser Tage sein zehnjähriges Trier-Jubiläum feiert.Improvisationsshow macht Stimmung

Einen in dieser Form möglicherweise unerwarteten Erfolg verzeichnete am späteren Abend das Theatersport.Team. Innerhalb einer Stunde verwandelte die Improvisations-Show ein Publikum, das eigentlich mehr auf Gala als auf Fun eingestellt war, in eine fröhlich pfeifende, trötende und jubelnde Masse, die gar nicht genug kriegen konnte von den Späßen auf der Bühne. Umgedichtete Klassiker, frei erfundene Reime, ein improvisierter Grand-Prix-de-la-Chanson-Wettbewerb: Eine bessere Werbung für den nach wie vor unter mäßigem Zuschauerzuspruch leidenden Theatersport hätte die Truppe mit Claudia Felix, Hille Beseler, Barbara Ullmann, Christian Stauer, Tim Olrik Stöneberg, Peter Koppelmann und Spielleiter Klaus Michael Nix nicht machen können. Es ging schon auf Mitternacht zu, als die Theater-Big-Band "Vielharmonie" die Zuschauer noch einmal so richtig durchrüttelte. Das Finale gestaltete Angelika Schmid, die einer kleinen, aber beeindruckten Zuschauerschar ihre "Ein-Frau-Oper" "Die Geburt der Athene" vorstellte.