1. Region
  2. Kultur

Ein Humanist der Renaissance

Ein Humanist der Renaissance

Seit 1994 ist die "Cusanus Lecture" ein fester Bestandteil des universitären Lebens. Sie ist mit einer öffentlichen Vorlesung dem Werk und der Wirkung von Cusanus, dem aus Bernkastel-Kues stammenden Universalgelehrten, gewidmet. In diesem Jahr hielt Prof. Dr. Volker Leppin den Vortrag mit dem Titel "Reformator vor der Reformation? Cusanus aus der Sicht eines evangelischen Kirchenhistorikers".

 Volker Leppin.
Volker Leppin.

Trier. (red) Zur jüngsten "Cusanus Lecture" hatten die Universität Trier und das Institut für Cusanus-Forschung an der Universität und Theologischen Fakultät sowie die Theologische Fakultät und die Cusanus-Gesellschaft eingeladen. Die Veranstaltung soll an die spätmittelalterliche Entstehung der Trierer Universität erinnern und die Präsenz des Cusanus-Gedankengutes demonstrieren.

Der Rektor des Cusanus-Instituts, Prof. Dr. Walter Euler bedankte sich vor allem bei dem Rektor der Universität, Prof. Dr. Schwenkmezger, dem Rektor der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Reinhold Bohlen, Domprobst Werner Rössel, dem Vorsitzenden der Cusanus-Gesellschaft, Christoph Böhr, sowie den weiteren etwa 80 Zuhörern für ihr Erscheinen.

Provozierend begann er seinen Vortrag mit der Aussage, dass er, antwortend auf die Frage im Buchtitel "Reformator vor der Reformation?", kurz und knapp Nein antworten könnte. Allerdings wolle er in dem folgenden Vortrag versuchen, zu erklären, warum er zu dieser Erkenntnis kommt. Für ihn ist klar, dass die Reformation Luthers nicht unvorbereitet kam, aber die Reformatoren aus dem 15. Jahrhundert seien nicht gleichzusetzen mit dem Reformator Luther.

So kommt Leppin auch zu dem Schluss, dass Nikolaus von Kues kein Reformator war, allerdings ein gutes Vorbild für die schon moderne Denkweise des späten Mittelalters. Cusanus hat sich bereits im 15. Jahrhundert für das Vernetzen verschiedener Religionen eingesetzt, fast als ein Humanist der Renaissance. Dieses Denken ist aber laut Leppin nicht mit den Maßstäben des 16. Jahrhunderts zu messen.

Sein Fazit: Nikolaus von Kues war einer der integrativsten Denker des 15. Jahrhunderts, dem sehr wahrscheinlich das in nur zwei Religionen verankerte Denken zu eng gefasst gewesen wäre.

Auch die Diskussion nach dem Vortrag förderte interessante Meinungen zutage, die beim Wein-Empfang der Cusanus-Gesellschaft vertieft wurde. Zur Person Volker Leppin ist evangelischer Theologe mit ökumenischer Ausrichtung und Kirchenhistoriker. Seit 2000 hat er den Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät Jena inne, und seit 2006 ist er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Studiert hat Leppin Theologie und Germanistik in Marburg, Jerusalem und Heidelberg. (red)