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Ein Hut voller Gefühle

Ein Hut voller Gefühle

Eingängige Melodien mit Schmachtpotenzial, aber auch rockige Nummern: Ohne Show und große Reden hat James Bay den vornehmlich weiblichen Fans in der Rockhal ein Konzert zum Wohlfühlen geboten und für besondere Livemomente gesorgt.

Esch-sur-Alzette. Wer James Bay kennt, weiß, dass die Musik des 25-jährigen Briten immer passt: Ob an einem regnerischen Nachmittag, eingehüllt in eine warme Wolldecke, oder an einem Sommerabend mit einem Glas Wein - für jede Gemütslage hat James Bay etwas in seinem Hut. Aber ein Gefühl verpackt er besonders gut in seinen Songs: die Liebe - mit all ihren positiven und negativen Seiten. Er singt von der Sehnsucht nach dem geliebten Menschen, von Beziehungen, die längst am Ende sind, oder von Trennungsschmerz. Der Titel seines Albums "Chaos and the Calm" (Chaos und die Stille) beschreibt diese Bandbreite sehr gut.
Genauso verläuft sein Konzert in der Rockhal: Mal rockig, trotzig, laut - mal leise und sanft. Mal zum Tanzen, mal zum Schwelgen. Dabei steht der Sänger mit dem Hut und den mittellangen lockigen Haaren, der Röhrenjeans und dem schwarzen Schlabbershirt immer im Vordergrund: Seine Band ergänzt ihn perfekt, ohne sein Gitarrenspiel zu überdecken. Mit Ansagen zwischen den Songs hält sich James Bay zurück - große Interaktion mit dem Publikum scheint ihm nicht zu liegen. Wenn er etwas sagt, nuschelt er ohnehin so sehr, dass man es kaum versteht.
Manch Skeptiker wird vielleicht gedacht haben, dass sein großes Gefühlskino nur aufgesetzt ist. Doch der Brite ist weitaus mehr als Schwiegermutters Liebling, der Musik zum Schmachten macht: Seine Gefühle sind echt. Er ist authentisch: Als er "Scars" (Narben) singt, ist es so leise in der Rockhal, das man eine Stecknadel fallen hören könnte. Mit heiserer Stimme singt er davon, wie ihn seine Freundin, mit der er sich auseinandergelebt hat, verlässt. Man nimmt ihm den Schmerz ab, von dem er da singt.
Und er sorgt für besondere Livemomente, wenn er alleine im Dunkel der Bühne vor dem Schlagzeug sitzt und ohne Bandbegleitung singt, das Licht plötzlich angeht und die Band einsetzt: So was geht nur live. Die Melodien umhüllen das Publikum und verschaffen ihm ein wohliges Gefühl: das sieht man an den vielen geschlossenen Augen.
Aber er kann auch ganz anders: Er zündet ein richtiges Rock' n'- Roll-Feuerwerk mit seiner Coverversion von "Proud Mary" - das hat dann überhaupt nichts mehr mit Schwiegermutters Liebling zu tun. Seine Performance erinnert dabei sogar ein bisschen an Mick Jagger. Vielleicht liegt es an seiner schlaksigen Figur, vielleicht aber auch daran, dass er einmal in London vor den Rolling Stones aufgetreten ist. Als Zugabe spielt er dann seinen bekanntesten Song: Er zieht kurz seinen Hut und stimmt "Hold back the River" an. Ein Chor aus Tausenden Stimmen begleitet ihn dabei. Hut ab - James Bay! jwa